06.06.2016
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Juni 2016

Wenn die Luftmatratze nicht mehr reicht …

Auch ewig jugendliche Surfer legen mit zunehmendem Alter Wert auf Komfort. Craig Kammeyer hat seine persönlichen Erfahrungen verarbeitet und macht damit Outdoor-Fans glücklich.


Ein Hobby muss ein Hobby bleibennatürlich soll es Spaß machen, aber es sollte nicht zu viel Geld kosten und es darf vor allem nicht Lebensinhalt sein. Das ist zumindest die Meinung vieler Menschen. Ein Hobby kann aber sehr wohl Lebensinhalt sein, die Existenz von neun Menschen sichern und vielen Kunden Freude bereiten.

 - Viel Platz/ Der richtige Ausbau macht den Bulli zum Raumwunder, wie Werkstattleiter Ben Hartleib demonstriert.
Viel Platz/ Der richtige Ausbau macht den Bulli zum Raumwunder, wie Werkstattleiter Ben Hartleib demonstriert.
Fotos: Vahle

Craig Kammeyer ist Surfer. In erster Linie. Und ja – er gehört zu den Surfern, die mit einem VW Bulli durch die Gegend fahren und am liebsten direkt am Strand übernachten, um am nächsten Morgen möglichst früh die perfekte Welle zu erwischen. Tischler ist der 39-Jährige auch. In zweiter Linie. Und hier gehen Hobby und Beruf plötzlich eine Symbiose ein: „Schon während meiner Ausbildung habe ich nach meinen Vorstellungen Bullis umgebaut. Wenn sie mir nicht mehr gefielen oder ich bessere Ideen hatte, dann habe ich sie verkauft“, erzählt Kammeyer, der heute Diplom-Ingenieur Holzbau ist. Studiert hat er in Hildesheim, das ist nicht weit von Hannover entfernt, wo er mit seiner Familie lebt. Im Studium wiederholte sich das Spiel: Bulli ausgebaut, neue Ideen gehabt, Bulli verkauft ...

 - Alles auseinander/ Der neue T6 ist nur Rohmaterial, zum Camper ist es noch ein weiter Weg.
Alles auseinander/ Der neue T6 ist nur Rohmaterial, zum Camper ist es noch ein weiter Weg.

Das geht bis heute so. Nur dass Kammeyer das Vorgehen inzwischen professionalisiert hat. 2006 entschied er sich für die Selbstständigkeit und gründete in Langenhagen die Firma Custom-Bus. „Wir haben klein angefangen, mit einzelnen Ausbau-Komponenten, die den VW Bulli zum Camper machen“, erzählt er. Seit vier Jahren aber macht das Unternehmen nur noch komplette Umbauten. Und seit zweieinhalb Jahren nimmt Custom-Bus keine gebrauchten Bullis mehr für den Umbau an, sondern gestaltet nur noch Neufahrzeuge um – also seit Sommer des vergangenen Jahres nur noch die Baureihe T6. Je nach Kundenwunsch entsteht daraus entweder ein Camper, ein Business-Modell oder aber ein sogenannter Multi, dessen Einrichtung entnehmbar ist, um ihn weiterhin als Alltagsfahrzeug nutzen zu können.

 - Nächster Auftrag/ Der Kunde hat sich für die Trendfarbe Grau entschieden.
Nächster Auftrag/ Der Kunde hat sich für die Trendfarbe Grau entschieden.

Hat sich der Kunde für ein Modell entschieden, dann wählt er aus einer langen Ausstattungs-Liste aus. Das fängt bei der Farbe an, geht über die Motorisierung bis hin zum Leselicht im Aufstelldach. Eigene Ideen kann der Kunde gern einbringen. Ist die Planung abgeschlossen, besorgt Custom-Bus den Bulli. Der Weg ist nicht weit. Das Volkswagen-Nutzfahrzeuge-Werk in Hannover-Stöcken ist nur wenige Kilometer entfernt, dort läuft der T6 vom Band. „Langenhagen hat einen Flughafen, die Autobahnen A2 und A7 führen beinahe an der Haustür entlang. Die Wege sind hier kurz“, sagt Kammeyer. Das macht die Besuche der Kunden aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz einfacher.

Steht das Fahrzeug in der Werkstatt in Langenhagen, machen sich die Mitarbeiter gleich daran, den Bulli nach Kundenvorstellungen umzubauen. Die Arbeiten gehen weit über eigentliche Tischlerarbeiten hinaus: Hier und dort muss Software neu aufgespielt oder neu programmiert werden, der Kunde wünscht sich den Einbau eines Hochdaches oder die Fenster sind ihm nicht groß genug. Dann fehlt womöglich noch die Dusche, ein riesiger Wassertank oder noch eine weitere Steckdose für den Rasierapparat – Custom-Bus erledigt das alles in Eigenregie.

Aber obwohl es eigentlich alles Arbeiten für einen Kfz- oder Karosseriebetrieb sind, ist bei Kammeyer kein einziger Kfz-Mechatroniker beschäftigt, sondern nur Tischler, darunter zwei Meister. „Wir haben uns in die Materie eingearbeitet, mit entsprechenden Weiterbildungen. Heute ist es für uns Routine“, sagt Werkstattleiter Ben Hartleib.

Die am häufigsten nachgefragten Ausbauteile fertigen die Mitarbeiter von Custom-Bus vor. Über ihr Furnier entscheidet der Kunde. Ähnlich verhält es sich mit anderen gängigen Teilen wie beispielsweise Dachverkleidungen, Sitzbänke oder Tische. Für die Fertigung ist die CNC-Maschine unverzichtbar. Die letzte Feinarbeit erfolgt beim Einbau im Fahrzeug. „Eigentlich sind alle Bullis gleich und doch ist jeder um wenige Millimeter anders“, berichtet Hartleib von seinen Erfahrungen in der Werkstatt.

 - Kundengepräch/ Craig Kammeyer blickt auf jahrzehntelange Camping-Erfahrung zurück.
Kundengepräch/ Craig Kammeyer blickt auf jahrzehntelange Camping-Erfahrung zurück.
Custom-Bus

„Bei der Entwicklung hat meine jahrelange Camping-Erfahrung geholfen“, erzählt Kammeyer. Ein Beispiel dafür ist die Sitzbank: Umgeklappt soll sie den bestmöglichen Schlafkomfort bieten, denn auch ein Surfer wird mal älter und die Luftmatratze reicht nicht mehr. Gleichzeitig lässt sich in den Kisten unter der Bank viel Zubehör verstauen. Nimmt man die Kisten heraus, dann ergibt sich eine Durchlademöglichkeit – beispielsweise für Surfbretter.

Selbstverständlich ist jeder Bulli vorbildlich gedämmt. Auch das gehört zum Komfort, den sich heutzutage jeder Camping-Freund wünscht. Niemand möchte in der Kälte frieren und in der Sonne schwitzen. So weit soll das Naturerlebnis dann doch nicht gehen.

 - Passt alles?/ Auch im mobilen Heim soll alles gerade sein – insbesondere in der „Küche“.
Passt alles?/ Auch im mobilen Heim soll alles gerade sein – insbesondere in der „Küche“.

Zu den Kunden gehören aber auch die richtig „harten Jungs“, die ihren T6 mit Gelände­reifen und Allradantrieb bestellen, um damit auf Weltreise zu gehen. „Der Vorteil ist, dass sich der T6 wegen seiner überschaubaren Größe gut verschiffen lässt“, sagt Kundenberaterin Melina Wickel. „Unsere Fahrzeuge sind tatsächlich in der ganzen Welt unterwegs und wir freuen uns, wenn wir Rückmeldungen oder sogar Reiseberichte bekommen.“ Dabei überlässt Kammeyer die Kundenzufriedenheit aber nicht dem Zufall: Mit einer jährlichen Umfrage checkt er ab, ob alle zufrieden sind, ob es Ideen für Verbesserungen oder neue Wünsche gibt.

Kammeyer arbeitet eng an der Praxis, deswegen muss er jetzt in Urlaub fahren. Natürlich mit dem Bulli, natürlich mit der Familie und natürlich Surfen. Vielleicht bringt er wieder Ideen mit. (tv)

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