Schrankgewordene Heimatverbundenheit

Heinz-Georg Schütz ließ sich nicht beirren und hat seiner Heimatstadt Köln ein kleines Denkmal gesetzt.

21 Motive aus Köln zieren das aufwendige Meisterstück. Fotos: Schütz

Sein Vater war dagegen. „Unser Opa fand den Entwurf meines Vaters richtig doof. Ihm wäre wahrscheinlich lieber gewesen, Vater hätte einfach nur einen Schrank gebaut“, erzählt Markus Schütz, der das Meisterstück seines Vaters Heinz-Georg bei uns eingereicht hat.

Heinz-Georg Schütz hat seine Meisterprüfung 1961 gemacht. Damals ist er 28 Jahre alt. Neun Monate arbeitet er Abend für Abend an seinem Werk, mit dem er seiner Heimatstadt Köln ein kleines Denkmal setzt: 21 Motive der Domstadt hat er auf den beiden Türen seines Schranks in aufwendiger Intarsienarbeit verewigt. Wer genau hinschaut, der entdeckt die Richmodis-Sage ebenso wie das Rathaus, die Messe, die Mülheimer Brücke oder das Opernhaus. Selbst Tünnes und Schäl hat der Tischler nicht ausgelassen.

Heinz-Georg Schütz ist heute 84 Jahre alt und schaut regelmäßig in der Werkstatt vorbei.

Für die Intarsien­arbeiten hat Schütz mehr als 50 Hölzer verarbeitet und bewusst auf ein Lineal verzichtet. Der Korpus des Schranks ist mit Palisander furniert, von innen mit Schweizer Birnbaum. Ohnehin hat es das Innenleben buchstäblich „in sich“: die Hausbar. Sie beinhaltet nicht nur hochprozentige Getränke, sondern ist auch mit einem italienischen Mosaikspiegel verziert. Zudem lässt sich über die Bar ein Geheimfach öffnen.

1961 war dem Kölner Stadtanzeiger das aufwendige Meisterstück eine halbe Seite wert. „Mein Vater erzählt, dass dann auch wieder der Großvater versöhnt und ganz stolz war, auch wenn er den Entwurf zuerst nicht gut fand“, erzählt Markus Schütz aus der Familiengeschichte.

Heinz-Georg Schütz ist heute 84 Jahre alt. Er kommt regelmäßig in die Werkstatt in der Eupener Straße in Köln und schaut, ob alles richtig läuft und ob die Kollegen anständige Arbeit abliefern.