Interview – Warum Wasserlacke? Vorurteile vs. Fakten

Remmers GmbH

Innovative Produktsysteme für Bau- und Holzhandwerk

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Genau: Stimmt es, dass Wasserlacke milchig und trüb sind?

Elmar Kaiser: Diese Einschätzung trifft bei der neuesten Generation nicht mehr zu. Moderne Wasserlack-Bindemittel bestehen aus sehr feinteiligen Dispersionen, sind sehr leistungsfähig und feuern die Holzstrukturen an wie ein Lösemittellack. Auch die farblose Überlackierung von Farblacksystemen ist ohne Einschränkung machbar. Sie betont und intensiviert das Farbbild und schützt die Oberfläche vor mechanischen oder chemischen Einflüssen. Entscheidend ist natürlich auch die Aktualität der Muster. Wir unterstützen unsere Kunden deshalb regelmäßig mit aktuellen Musterkarten oder individuellen Mustern.

Genau: Gibt es Grenzen bei den gestalterischen Varianten und Möglichkeiten von Wasserlacken?

Elmar Kaiser: Heute können sämtliche Oberflächen mit wasserbasierten Produkten in einer vergleichbaren Qualität zu PUR-Systemen erstellt werden: vom tuchmatten 1K Natureffektlack Aqua NEL-419/05 über den anfeuernden 1K-Aqua SL-418-Schichtlack in sämtlichen Glanzgraden bis hin zum 2K-Hochglanzlack Aqua 2HL-411/90 für anspruchsvolle Hochglanz-Lackoberflächen. Auch die farbige Gestaltung (RAL/NCS/PANTONE) von Hölzern und Holzwerkstoffen ist mit den Neuentwicklungen Aqua IF-431 Isolierfüller und 4in1 Farblack Aqua CL-445/30 effizient, einfach und hochwertig machbar. Der 1K-Isolierfüller sperrt Feuchteeinflüsse und Holzinhaltsstoffe sicher ab. Mit dem 4in1-Farblack sind vollwertige und strapazierfähige Farblackoberflächen mit nur einem Produkt kein Problem!

Genau: Besitzen Wasserlacke eine schlechtere chemische Beständigkeit?

Elmar Kaiser: Aqua-Lacke besitzen generell eine gute Chemikalienbeständigkeit und erfüllen alle Anforderungen an moderne Oberflächen – wie beispielsweise der Aqua SL-418-Schichtlack. Er verfügt gemäß DIN 68 861 Teil 1 über die gleichen Eigenschaften wie hochwertige 2K-PUR-Lacke und erfüllt die Beanspruchungsgruppe 1B. 1K-Treppenlacke wie der Aqua TL-412 besitzen zudem eine hohe Beständigkeit gegen Handcremes. Somit gehören Aufweichungen und Verfärbungen der Handläufe und Treppenoberflächen der Vergangenheit an. Außerdem kann der Anwender eine optimale Oberfläche in nur zwei Arbeitsgängen durch den hohen Festkörperanteil in diesem Lack erzeugen.

Genau: Sind die Trocknungszeiten bei Aqua-Lacken länger?

Elmar Kaiser: Die Trocknungszeiten bis zur Weiterverarbeitung sind gegenüber den PUR-Systemen ausgeglichen. Die volle chemische und mechanische Belastbarkeit erreicht man bei Aqua-Lacken gegenüber PUR-Lacken etwas verzögert, weil sie länger wasserempfindlich bleiben. Nach wenigen Tagen normaler Durchtrocknung besteht aber kein Unterschied mehr. Zudem lassen sich Wasserlacke sehr effizient und schnell mittels IR Trocknungstechnik trocknen – teilweise in weniger als einer Stunde.

Genau: Worin liegen die Vorteile von 1K-Wasserlacken?

Elmar Kaiser: 1K-Wasserlacke sind in mehrfacher Hinsicht genauso leistungsfähig wie 2K-PUR Lösemittellacke. Zudem ergeben sich Verarbeitungsvorteile. Auf Härter oder Verdünnungen kann verzichtet werden. Es gibt weder Topfzeitverluste noch Mischungsfehler und die die Werkzeuge lassen sich leicht mit Wasser reinigen. Die 1K-Lackierung mit Lackierpumpen ist unkompliziert und nahezu „wartungsfrei“. Außerdem sind 1K-Wasserlacke leichter zu entsorgen, da sie kein Gefahrgut darstellen. Geruchsbelästigungen fallen ebenfalls weg.

Genau: Sind Wasserlacke teurer?

Elmar Kaiser: Der geringfügig höhere Preis von Aqua-Lacken relativiert sich durch die höheren Festkörperanteile der Remmers Aqua-Lacke gegenüber herkömmlichen PUR-/NC-Lacken. Auf den Quadratmeter gerechnet sind Wasserlacke im Preis meist vergleichbar, teilweise sogar günstiger. Außerdem ergeben sich Einsparungen durch den geringeren Materialeinsatz bei Härtern oder der Verdünnung und die Entsorgungskosten sind deutlich geringer.

Genau: Gibt es sonst noch Gründe von PUR-Systemen zum Wasserlack zu wechseln?

Elmar Kaiser: UV- und Wasserlacken gehört sicherlich die Zukunft. Als Beispiel ist die Deco-Paint-Richtlinie zu nennen. Der Einsatz von Lösemitteln und Härterkomponenten wird künftig immer weiter eingeschränkt. Zudem ist der Einsatz von wasserbasierten Oberflächenprodukten gerade in Verbindung mit dem Naturwerkstoff Holz um einiges glaubwürdiger – will man dem aktuellen Nachhaltigkeitstrend Rechnung tragen. Viele Gründe also, hochmoderne, leistungsfähige Wasserlacke einmal zu testen.