28.08.2014
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Nissan eNV 200

Fahrbericht: Der Leis-E-Treter

Die von Nissan, die trauen sich was: Die Japaner haben dem beliebten Lastenesel NV 200 einfach den Diesel geklaut und statt dessen einen E-Motor eingebaut. Wir haben die Chance genutzt und sind mit dem neuen eNV 200 quer durch Barcelona gestromert.

von Lutz Odewald

 - Schlitzauge mit Potenzial zum Gassenhauer.
Schlitzauge mit Potenzial zum Gassenhauer.

Tatort Barcelona. Hier befindet sich eines der größten Werke von Nissan auf europäischem Boden. Mehr als 100 Millionen Euro haben die Japaner in ihr katalanisches Werk investiert, um aus dem NV 200, der hier auch vom Band läuft, den e-NV 200 zu machen. Die Batterieeinheit dazu stammt aus dem englischen Werk in Sunderland.

Laden ohne Ende
Die blecherne Haut wurde so geschickt verändert, dass der e-NV 200 trotz des üppigen Batteriepacks komplett ohne Einschränkungen seiner Ladefähigkeit antritt. Alles, was mit dem Thema E zu tun hat, versteckt sich unterflurig. Damit erreicht Nissan, dass nach wie vor zwei Europaletten samt 770 Kilo Ladung im hinteren Abteil Platz finden. Das futuristisch angehauchte Äußere gleicht dem klassischen NV 200. Und der ist dank seiner kompakten Abmessungen von 4,56 Metern gerade einmal so
lang wie der neue Golf. 4,2 Kubikmeter Laderaum verspricht Nissan allen Handwerkern und Stadtflitzern, wenn sie sich auf das Abenteuer Elektro einlassen.



Entladen bis zum Limit?
Der Antrieb des e-NV 200 stammt vom erfolgreichen Nur-Stromer Leaf. 109 PS lassen den Kastenwagen nicht nur innerstädtisch erfreulich flott voran marschieren, auch Autobahnauffahrten oder Schnellstraßen nimmt der Nissan mit erfrischender Leichtigkeit unter seine Leichtlaufreifen. Die Lithium-Ionen-Batterie, die für solch automobile Freuden die Grundlage stellt, hat eine Kapazität von 24 kWh und will eine maximale Reichweite von 170 Kilometern ermöglichen. Dieser Wert ist jedoch rein theoretischer Natur, denn auch bei den Elektro-Vehikeln gibt es einen standardisierten Verbrauchszyklus, der ähnlich weltfremd ist wie bei den Benzin- oder Diesel-Droschken. Einziger und fataler Unterschied: Bleibt man mit einem reinen E-Fahrzeug liegen, muss das Fahrzeug vom Pannendienst huckepack genommen werden, denn einfaches Abschleppen ist verboten. Es sei den Herstellern daher dringend ans Herz gelegt, die Kunden der neuen Technologie nicht damit zu verprellen, utopische Marketing-Reichweiten zu veröffentlichen.

Wer sich auf keine Abenteuer einlässt und rechtzeitig die nächste Stromquelle anzapft, der darf je nach Anschluss bereits in einer halben Stunde wieder los, dann mit 80 Prozent Leistung. Das setzt aber eine Schnellladestation mit 50 kW voraus. Realistischer ist ein eigener Kraftstromanschluss. An einer 32-Ampere / 6,6 kWh-Steckdose ist der Akku nach vier Stunden wieder voll. Das sollte etwa auf einer Baustelle auch möglich sein. Und über Nacht reicht die normale 16 Ampere-Steckdose für eine volle Batterie.

Lautloses Stromern
254 Nm stehen zur Verfügung, um den e-NV 200 durch den Verkehr zu schießen. Und tatsächlich flitzt der kleine Last- und Lieferwagen lautlos kreuz und quer durch den Verkehr in der Metropole Barcelona, wo wir den Nissan testen konnten. Typisch E-Antrieb: Das Drehmoment steht vom ersten Meter an zur Verfügung und sorgt für rasante Antritte des rund 1500 Kilo schweren Transporters. Nach rund 14 Sekunden erreicht der E-Dompteur die 100-km/h-Schallmauer, wenn er denn will. Schneller als 123 km/h wird es nicht, dann regelt eine Elektronik den e-NV 200 ab.
Bedienung und Haptik verdienen in ihrem Segment Bestnoten. Man sitzt gut im E-Nissan, der Wagen hat nicht zuletzt dank der Batterien im Tiefparterre eine astreine Straßenlage. Schalter und Tasten erklären sich meist von selbst. Genial ist die Rückfahransicht im großen Zentraldisplay, denn dank Minikameras an allen vier Ecken errechnet der Bordcomputer ein Bild aus der Vogelperspektive mitsamt allen Details der Umgebung. Wer jetzt noch gegen Ladewände oder Verkehrsschilder fährt, ist des Missbrauchs von Alkoholika oder anderer Betäubungsmittel dringend verdächtig …

Launige Kosten
Elektro kommt im Bereich des Bezahlbaren an. Der e-NV 200 wird als Kastenwagen rund 25.000 Euro netto kosten. Wer die Batterie nicht bezahlt, sondern mietet, liegt bei rund 20.000 Euro. Die monatliche Miete liegt zwischen 73 und 150 Euro, je nach Laufzeit und Leistung. Immer noch eine Menge, betrachtet man die 13.550 Euro, die der kleine Diesel kostet.
Doch gespart wird beim e-NV 200 nicht nur beim Thema Treibstoff, sondern auch bei dem großen Kapitel Wartung. Weniger bewegliche Teile, kein Motoröl, kein Keilriemen und keine Kupplung – das freut den Handwerker. Dazu spart er Bremsbeläge, denn schließlich geht ein Großteil der Bremsenergie, dank Rekuperation, wieder in den Batteriekreislauf zurück, statt sich in heißer Luft an der Scheibe aufzulösen.

 - Meine Meinung: Der eNV 200 wird für reichlich Schwung sorgen. Bezahlbare Technik, klasse Design, hoher Nutzwert. So kann's was werden mit den E-Lastern!
Meine Meinung: Der eNV 200 wird für reichlich Schwung sorgen. Bezahlbare Technik, klasse Design, hoher Nutzwert. So kann's was werden mit den E-Lastern!

Fazit
Der e-NV 200 hat das Zeug zum großen Wurf. Während deutsche Hersteller noch schnarchen und Alibi-Vehikel auf die Räder stellen, schaffen die Japaner Fakten. Gerade durch den Einsatz von Großserientechnik und wenig Spielerei vermittelt Nissan Vertrauen in die neue Technik. Und preisbereinigt steht der e-NV 200 glänzend da. So kann der Konkurrenz der Stecker gezogen werden.

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