10.04.2018
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Software

Die Software von der Stange

Schreiners Büro ist vielen Tischlern ein Begriff und eine verbreitete Software. Bernhard Hetzel arbeitet seit beinahe 25 Jahren mit dem Programm und ist von seinen Qualitäten überzeugt. Entwickler Hermann Dinklage nennt es „ein Produkt von der Stange“.


Wir schreiben das Jahr 1993. Bernhard Hetzel übernimmt im nordrhein-westfälischen Heiligenhaus die Tischlerei seines Vaters. Wenn der die Begriffe Hardware und Software schon gekannt hätte, dann wären es für ihn vermutlich die Bandsäge und das Pausenbrot gewesen. „Darüber musste sich Vater keine Gedanken machen. Er hatte ja für die Büroarbeit meine Mutter und die alte Triumph-Adler“, erzählt Bernhard Hetzel lachend.

Der „Junior“, der inzwischen 60 Jahre alt ist, dachte sich schon damals, dass der Computer nicht nur zum Spielen oder allenfalls als Schreibmaschine taugt, sondern auch die Betriebsführung erleichtern kann. Die entsprechende Software gab es schon damals, aber fast alle Produkte hatten einige Eigenschaften gemeinsam: „Sie waren entweder sehr teuer oder sie liefen nicht stabil – oder beides“, sagt Hetzel. Irgendwann sei er bei Schreiners Büro gelandet – und das laufe seit beinahe 25 Jahren stabil. Seitdem macht der Tischler damit Fakturierung, Zeitwirtschaft und Kalkulation, aufgeteilt in die drei Blöcke Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter.

 - So einfach kann Software sein. Schreiners Büro ist einfach strukturiert.
So einfach kann Software sein. Schreiners Büro ist einfach strukturiert.
Foto: Thomas Vahle

„Beeindruckende Einfachheit“

„Die Einfachheit von Schreiners Büro ist beeindruckend“, erzählt Axel Knospe. Der 40-Jährige hat bei Hetzel gelernt, ist Geselle, geprüfter Fachbauleiter und die rechte Hand des Chefs: „Das Programm ist selbsterklärend. Es besteht aus wenigen, immer wiederkehrenden Abläufen.“ Auf Knopfdruck kann Knospe alle wichtigen Details abrufen: von den Tankrechnungen über die Aktivitäten beim Kunden bis hin zu den Absprachen, die Hetzel getroffen hat. „Das sorgt auch für gute Stimmung, denn jeder weiß über alles Bescheid“, berichtet Hetzel über seine Erfahrungen.

Schlechte Stimmung soll in der Tischlerei überhaupt nicht erst aufkommen: Insgesamt zwölf Mitarbeiter zählt der Betrieb. Zwei davon sind im Büro, zwei sind Auszubildende. Alle Hände und Gehirne werden gebraucht, da ist kein Platz für Unstimmigkeiten. „Ich will die Hochkonjunktur nutzen und den Betrieb für die nächste Generation gut aufstellen“, berichtet Hetzel von seinen Plänen. Einige Jahre will er aber noch selbst den Betrieb leiten. Danach soll sein Neffe Sebastian Hetzel das Ruder übernehmen. Der 30-Jährige ist auf dem Weg zum Meistertitel.

Investitionen in die Zukunft

Wie ernst es der Senior mit der Zukunft meint, das zeigen allein seine Investitionen: Gerade in diesen Tagen steht der Umzug in eine große Halle im Nachbarort an, ein CNC-Bearbeitungszentrum gehört schon lange zur Ausstattung des Betriebs. Ein kleiner Gabelstapler, ein großer Kran und ein Aluminium-Leichtgerüst sollen den Mitarbeitern das Leben so einfach wie möglich machen. „Das sind alles kleine Pflänzchen, die man sorgsam hüten muss“, sagt der fürsorgliche Chef.

70 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet der Betrieb mit der Bautischlerei, 30 Prozent im Möbelbau. Haupteinzugsgebiet ist das südliche Ruhrgebiet, aber von Sylt oder der Cote d‘Azur kommen auch schon mal Aufträge. Womit wir wieder bei Schreiners Büro sind: Damit ist der Betrieb von überall führbar, wo es Internet gibt.

Dass aus Schreiners Büro einmal eine elegante kleine Lösung für Tischlereien wird, war nicht von Anfang an absehbar. Als es 1992 auf den Markt kam – die älteren Leser mögen sich noch an die Zeiten von DOS erinnern –, blieb der Erfolg zunächst aus. „Ich hatte damals keine Referenzen, war Einzelkämpfer und zudem kein Verkäufer“, erzählt Hermann Dinklage. Er hat Schreiners Büro entwickelt. Die Idee dazu kam ihm schon 1986, als er eine Ausbildung zum Tischler machte. „Software zu verkaufen ist wie heiße Luft zu verkaufen“, sagt er.

 - Kennen sich schon seit der Anfangszeit von Schreiners Büro: Entwickler Hermann Dinklage (links) und Tischlermeister Bernhard Hetzel.
Kennen sich schon seit der Anfangszeit von Schreiners Büro: Entwickler Hermann Dinklage (links) und Tischlermeister Bernhard Hetzel.
Thomas Vahle

Er versuchte es mit Präsentationen. Dafür war er in ganz Deutschland unterwegs. Mit den damals noch sehr großen Rechnern im Auto und einem Bildschirm. „Mir sind die Kosten davongelaufen“, erzählt er heute lachend. Dabei war er mit seinem Preis von 9.800 Mark durchaus konkurrenzfähig zu anderen Anbietern, die 15.000 Mark für vergleichbare Software verlangten. „Aber es ist eben nur Software und keine Maschine, der Verkauf war sehr schwierig“, sagt Dinklage.

Auch aus einer gewissen Verzweiflung heraus entschloss sich der „Nicht-Verkäufer“ zu einem drastischen Schritt: Er reduzierte den Preis auf 3.400 Mark und blieb mit seinen Geräten zu Hause. Ganz nach dem Motto: Entweder die Leute wollen es haben und kommen zu mir oder eben nicht. Plötzlich verkaufte Dinklage 60 Programme in einem Jahr. Irgendwann allerdings dämmerte Windows am Horizont und die DOS-Zeiten waren vorbei. Aktuell läuft das Programm auf Webserver-Technik und ist auf allen Endgeräten verfügbar. „Schreiners Büro ist nicht der Maßanzug, sondern der von der Stange“, charakterisiert Dinklage sein Produkt.

Die einfache Preisgestaltung hat der Entwickler bis heute beibehalten: Schreiners Büro kostet eine Miete von einem Euro am Tag. Darin enthalten sind alle Arbeitsplätze und die Hotline. Kündbar ist das System monatlich.

Gut 650 Betriebe arbeiten nach Auskunft von Dinklage mit seiner Software. „Aber eins versteht sich von selbst“, sagt Tischlermeister Hetzel. „Jede Software kann nur so gut sein wie die Menschen, die mit ihr arbeiten. Ich muss die Eintragungen diszipliniert pflegen. Dann ist es eine perfekte Netzwerk­lösung.“ ­Thomas Vahle

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1 Kommentar zu "Die Software von der Stange "

  1. rockalisons chang - 23.06.2018, 03:04 Uhr (Kommentar melden)

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