01.09.2014
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Vom Urwald bis zur Kantel - Malaysia und sein verbotener Schatz aus dem Wald

Dem Tropenholz auf der Spur - Teil 1

Darf man wieder Tropenholz nutzen? Was spricht für, was gegen den Einsatz? Und was ­bedeuten Zertifizierungen ­eigentlich? Wir haben Gelegenheit gehabt, hinter die Kulissen und vor Ort zu schauen, was es mit dem kostbaren Rohstoff aus den Urwäldern Malaysias auf sich hat, wer es wie verarbeitet und wie es zu uns gelangt. Die Tropenholz-Reportage Teil 1

von Lutz Odewald

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Fotos: Odewald

Beim Anflug auf Kuala Lumpur wird schnell klar, dass man ein Land der Extreme ansteuert. Zunächst fliegt man über schier endlose Waldflächen, um dann von einer Skyline begrüßt zu werden, die ihresgleichen sucht.
Der Eindruck täuscht nicht. Während im Dschungel noch Ureinwohner zurückgezogen leben, pulsiert das ökonomische Herz des Tigerstaates in der 1,6-Millionen-Metropole mit seinen Shopping-Malls, Banken und Wolkenkratzern.

 - Das ist NICHT die Rush Hour!
Das ist NICHT die Rush Hour!

Was aber macht ein Redakteur einer Fachzeitschrift für Tischler und Schreiner zwischen Wolkenkratzern und Urwaldriesen? Wenige Wochen zuvor in der Redaktion. Das Telefon meldete sich. Am anderen Ende der Leitung eine Stimme, die fragte, ob ich Zeit hätte für eine Reise nach Malaysia. Anlass sei eine Jahrestagung des PEFC in Kuala Lumpur. Verblüfft fragte ich zunächst einmal, ob sich der nette Mensch am anderen Ende in der Telefonnummer geirrt habe. Schließlich bin ich Tischler- und Schreiner-Redakteur und kein Forstexperte. Doch doch, kam die Versicherung, man sei an einem Eindruck aus genau dieser Branche interessiert. Und es sei auch kein Problem, dass der zuständige Redakteur, nämlich der Schreiber dieser Zeilen, eher kritisch sei, was den Umgang mit Tropenholz und den Lobbyismus der Forstbranche generell betreffe.

Holzklasse
So saß ich einige Wochen später tatsächlich im Flieger, Holzklasse natürlich (passend zum Zweck der Reise), und faltete meine zu langen Gehwerkzeuge für die nächsten 15 Stunden zwischen eigenem Sitz und Vorderlehne zusammen. Nachdem diese Hürde körperlich, geistig und zeitlich erfolgreich genommen war, spuckte mich der Flieger (Malaysian Airlinies) tatsächlich wohlbehalten wieder aus. Und zwar zunächst in die Welt der Wolkenkratzer.
Kuala Lumpur ist nicht nur eine 1,6 Milliionen Einwohner zählende Stadt, sondern auch eines der Finanzzentren ganz Südostasiens. Und hat mit dem Rest des Landes eigentlich nichts zu tun. Doch dazu später mehr.

Der erste Teil der Reportagereise führte in den 16. Stock eines der zahllosen Businesshotels. Dort sollte der erste Teil der Unternehmung ablaufen, nämlich der der 18. Generalsversammlung des PEFC, des „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“. Forstfachleute aus allen Teilen der Welt nahmen an dem Kongress in Malaysia teil, in der Hotellobby herrschte ein kunterbuntes Multi-Kulti-Treiben.

Fachleute unter sich
Die Teilnahme an zahlreichen Veranstaltungen, Pressekonferenzen und Diskussionsrunden rund um die Themen Zertifizierung, Nachhaltigkeit und Forstwirtschaft öffneten Blickwinkel. Und Augen. Nämlich die meinigen. Und zwar für das schwierige Feld, auf dem sich die anwesenden Experten tummeln. Wald ist nämlich mehr als ein Wirtschaftsgut. Es ist auch mehr als ein Ökosystem. Und mehr als ein Lebensraum. Es ist auch ein Kulturgut. Und wie bei allen Kulturgütern steht es im Blickwinkel einer interessierten Öffentlichkeit. Das teilt der Wald etwa mit der Fußballnationalmannschaft.
Und genau wie beim Fußball sind auch beim Wald alle irgendwie "Bundestrainer" und wollen mitreden. Allerdings, und hier enden die Gemeinsamkeiten, blicken die Fußballer nicht mit deutlicher Geringschätzung auf die "Amateure" herab. Schließlich will der Fußball geschaut und auch bezahlt werden.

Beim Wald dagegen bleiben die Fachleute gern unter sich. Man kennt und schätzt sich. Mit neugierigen Journalisten, die weder Förster sind noch mit akademischen Weihen der passenden Fachrichtungen behängt, hat man es nicht so. Da ich allerdings nicht auf der Suche nach neuen Freunden war, konnte ich mir die eine oder andere kritische Frage rund um Zertifizierung, Naturschutz und Umweltverständnis doch nicht verkneifen. Was zu angeregten Diskussionen führte, die nicht immer im Konsens endeten ...
Die Gastgeber vom Malaysian Timber Certification Council allerdings waren von keiner Frage in Verlegenheit zu bringen und kümmerten sich während des gesamten Aufenthalts in Malaysia geduldig und charmant um die Erweiterung meines europäischen Horizonts. >>

 
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