17.03.2010
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Recht auf Regeneration

Wie viele Pausen sind genug?

Jede Pause kostet Zeit und Geld – doch müssen Arbeitgeber deswegen ständig auf die Uhr sehen?

Von minutengenauen Kontrollen der Pausenzeiten hält Jan Jürdens wenig. „Unsere Mitarbeiter lassen ja auch nicht den Hammer fallen, wenn die offiziellen Pausenzeiten sind, sondern erledigen erst ihre Arbeit“, weiß der Inhaber der Tischlerei Jürdens in Vlotho. Pausen sind für den Ingenieur Vertrauenssache. „Wenn ich zu einer Baustelle komme und ein Mitarbeiter sitzt gerade im Auto, dann muss ich ihn nicht ansprechen. Dann weiß ich genau, dass er vorher nicht dazu gekommen ist.“ Grundsätzlich ist sich Jürdens jedoch sicher, dass sein Team die 15 Minuten Frühstückspause und die halbe Stunde zur Mittagszeit „akkurat einhält, egal, ob ich im Betrieb bin“.

Der Anspruch auf Pausen ist im Arbeitszeitgesetz geregelt: Das schreibt ab einem sechsstündigen Arbeitstag eine halbstündige Pause vor. Wer länger als neun Stunden arbeitet, dem steht eine Pause von einer Dreiviertelstunde zu. „Die Ruhezeiten können in Einheiten à 15 Minuten aufgeteilt werden“, sagt Jacque­line Greinert. Die Kasseler Fachanwältin für Arbeitsrecht erklärt: „Das Gesetz verpflichtet Arbeitgeber, einen Zeitrahmen vorzugeben, innerhalb dessen die Pausen stattfinden sollen, und dafür Sorge zu tragen, dass die Mitarbeiter die ihnen zustehenden Pausen wirklich nehmen können.“



Mehr Pausen fördern die Motivation
Doch auch mehr ist möglich. So empfiehlt Personalberaterin Martina Heisser aus Montabaur mehr Pausen, um die Arbeits- und Leistungsfähigkeit sowie die Motivation zu erhalten oder wiederherzustellen. Bei gleicher Gesamtstundenzahl könne das Arbeitsergebnis besser sein als nach einem pausenarmen Tag. „Keinem Arbeitgeber nutzen erschlaffte Mitarbeiter.“

Hingegen rät Heisser davon ab, die Pausenzeiten der Mitarbeiter zu überwachen. Denn Kontrolle baue Druck und Angst auf: „Trauen Sie Ihren Mitarbeitern Verantwortungsbewusstsein zu“, rät sie.

Dass sich das lohnt, bestätigt Jan Jürdens: „Unsere Mitarbeiter machen nicht ständig Dienst nach Vorschrift und arbeiten sehr selbstständig.“ Für den Unternehmer sind Zuverlässigkeit und Engagement das Ergebnis aus familiärem Miteinander und klaren Regeln. „In größeren Unternehmen ist das schwieriger, doch im Handwerk funktioniert das sehr gut, weil Mitarbeiter und Geschäftsführung noch eine persönliche Beziehung haben.“

Nur eins kann Jürdens ärgern: Raucherpausen: „Auf Baustellen sage ich dann schon mal etwas. Aber nicht, weil ich etwas gegen das Rauchen habe, sondern weil es mir um das Erscheinungsbild gegenüber dem Kunden geht.“

(bw/jw)

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