20.12.2010
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Die RieFa-Platte und "ihr" Tischler

Volle Dämmung!

Wärme, Schall, Brandgefahr und Übergewicht – für die Rietberger Faser-Platte keine Problemzonen. Tischlermeister Leskovsek ist von „seiner“ Platte überzeugt. Folge seiner Leidenschaft: Der Handwerker wurde zum Lieferant!

von Lutz Odewald

„Ökologisch einwandfrei ist die RieFa-Platte auch noch“, ergänzt Hans-Martin Leskovsek schmunzelnd. Eine Eigenschaft, die dem zweifachen Familienvater wichtig ist. Der Wiedenbrücker Tischlermeister stolperte mehr zufällig über das Plattenmaterial. Bei einem Innenausbau war eine große Schiebetür gefragt, die zugleich leicht sein und dämmende Eigenschaften haben sollte. Kunden aus dem Umkreis Rheda-Wiedenbrück machten den ostwestfälischen Handwerker auf das Material aufmerksam. Der Tischler setzte sich mit den Entwicklern in Verbindung und fing an, mit dem fasrigen Stoff zu experimentieren.


Im Kern korrekt
Matthias Delker und Andreas Peitz sind die beiden Entwickler des Basismaterials. Fünf Jahre lang haben die gelernten Umwelttechniker aus Ostwestfalen an einer Platte geforscht, deren Bestandteile normalerweise quasi auf dem Boden, sprich Acker, liegen. Denn die „Rietberger Faserplatte“ besteht vorwiegend aus Getreideprodukten und unbehandelten natürlichen Fasern. Genau sind es Roggenfasern, die zur Verwendung kommen. Sie ist zu 100 Prozent
recyclebar und kommt ohne Anwendung von Chemikalien aus, was gerade im höher wertigen Innenausbau bei Kunden, die Wert auf ein gesundes Raumklima legen, ein gewichtiges Pfund ist.
Diese Pfunde fehlen dem Material an anderer Stelle, und das war für den ersten Auftrag höchst willkommen. Die Platte ist nämlich federleicht. Eine Türblattfüllung in 33 Millimeter Stärke wiegt nur 12,5 Kilogramm pro Quadratmeter.

Tüftler Tischler
Hans-Martin Leskovsek begann vor rund drei Jahren damit, aus dem Grundmaterial eine wirklich nutzbare Tischlerplatte zu entwickeln. „Die Platte gibt es schon seit Jahren, aber sie war nicht für das Tischlerhandwerk optimiert“, weiß der Unternehmer zu berichten. Delker und Peitz vertreiben ihr Material vorwiegend an die Türenindustrie, überließen dem wissbegierigen Tischlermeister gern das „Projekt Handwerk“. Denn mit dem luftigen Ausgangsmaterial gab es hinsichtlich Decklagen und Oberflächen keine Erfahrungen.
„Ich habe lange mit Pressdrücken und Klebern experimentiert. Das war alles andere als einfach, denn alles, was man sonst mit einer Presse machen kann, klappt bei der RieFa-Platte nicht“, weiß Leskovsek von der schwierigen Zeit zu berichten. Man sagt den Ostwestfalen eine besondere Sturheit nach. Die mag Hans-Martin Leskovsek geholfen haben. Denn mittlerweile hat er die Produktion und den Einsatz der RieFa-Platte im Griff: „Ich kann die Platte ab einer Stärke von 16 Millimetern anbieten, nach oben sind dem Material keine Grenzen gesetzt.“

Ungewohnte Rollen
Durch seine Hartnäckigkeit kam der Handwerker so in die ungewohnte Lage, vom Tischler zum bundesweit agierenden Werkstoff-Lieferanten zu werden. Denn die Platte gibt's nur bei Leskovsek. Der Tischler berät interessierte Kollegen gern und konfektioniert die Platten dann nach deren Wünschen.
Sein Engagement machte sich nicht nur im eigenen Kundenstamm positiv bemerkbar. 2009 wurde der Rheda-Wiedenbrücker ausgezeichnet mit dem Klimaschutzpreis RWE 2009, weil sie "hilft, einen Baustoff aus nachwachsenden Rohstoffen im Privatbereich ... einzusetzen" (aus der Preisbegründung).


Praktischer Einsatz
Leskovsek selber setzt die Platte vorwiegend im ökologisch interessierten Privatkundenbereich und im auf Leichtbau getrimmten Messebau ein. Möbelrückwände, Akustiklösungen oder dämmende Schiebetüren im Großformat hat der Tischlermeister schon gefertigt. Einige Betriebe in der Region arbeiten bereits mit seinen Platten, doch der Rheda-Wiedenbrücker Tüftler ist sich sicher, dass seine Getreide-Platte das Zeug dazu hat, weit über die Grenzen Ostwestfalens hinaus bekannt zu werden.

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