09.11.2010
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Resopal präsentiert innovativen Bio-Werkstoff

Re-Y-stone: Schichtwerkstoff mit Rum-Aroma

Donald Schaefer war sichtlich stolz: Mit RE-Y-STONE präsentierte der Chef von Resopal eine ganz neue Platte, die komplett aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Statt Erdöl Zuckerrohr: In Zukunft denken Tischler und Schreiner eher an die Platte als an die Rum-Flasche, wenn sie von der Pflanze mit den gehaltvollen Inhaltsstoffen hören.

 - Die Zutaten sind rein pflanzlicher Natur.
Die Zutaten sind rein pflanzlicher Natur.

 - Die Farbe entsteht natürlich.
Die Farbe entsteht natürlich.

Biokomposit-Platte nennen die Entwickler von RE-Y-STONE ihren neuen Werkstoff. Bei der Entwicklung und Produktion beteiligt sind die Dekodur GmbH & CoKG und die Hans Schmid GmbH & CoKG. Den Begriff Schichtstoff meiden die Hessen wie der Teufel das Weihwasser. Denn ihre neue Platte ist zwar in Sachen Produktion ähnlich der herkömmlichen HPL-Platte, wird sogar auf den gleichen Pressen hergestellt.
Doch die Inhaltsstoffe, die Anwendung und einige Besonderheiten sind gänzlich anders als die sonstigen Harz-Papier-Presslinge, durch die Resopal so bekannt geworden ist.

 - Donald Schaefer
Donald Schaefer

Firmenlenker Donald Schaefer erklärt: "Zuckerrohr ist das Ausgangsprodukt bei der Herstellung von RE-Y-STONE. Genauer sind es die pflanzlichen Abfälle, die bei der Zuckerherstellung entstehen." Der Fachmann spricht von "Bagasse". Statt jetzt die Pflanzenschnipsel einfach zu entsorgen, etwa indem es auf die Felder ausgebracht und untergepflügt wird, wird aus den lignin- und zellulosehaltigen Resten ein karamelfarbenes Harz gekocht. Dieses Harz wird, wenn es zusammen mit "seinem" Papier in die Presse kommt und erhitzt wird, zu dem harten und widerstandsfähigen Biokomposit-Material, das in seinen Eigenschaften für gute Laune beim Resopal-Chef sorgt.

 - Dr. Lutz Reitzel
Dr. Lutz Reitzel

Chefentwickler Dr. Reitzel scheint den für die Vorstellung extra präparierten Papierberg fast umarmen zu wollen: "Die für einen Plattenwerkstoff nötigen Fasern stammen aus der heimischen Papier-Tonne. Als Kraftpapier wird nämlich ausschließlich "Post-Consumer-Altpapier" verwendet, also Papier, welches garantiert schon einmal anderweitig verwendet wurde und nicht extra für die Herstellung von Schichtstoff hergestellt."

Mehr als 60 Prozent der RE-Y-STONE-Platte bestehen aus Recycling-Papier, den Rest steuert die klebrige Hinterlassenschaft der Zuckerrohr-Pflanze bei. Donald Schaefer: "Damit ist RE-Y-STONE tatsächlich zu annähernd 100 Prozent aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen. " Und lässt sich am Ende des Stoffkreislaufs entsprechend einfach entsorgen. Das Material verrottet, kann aber auch recycelt werden. Und in Zeiten der Bio-Heizkraftstoffe erwähnenswert: Das Material hat einen hohen Brennwert und hinterlässt keine zusätzlichen CO2-Mengen.

In Dicken unter 3 mm kann die Biokomposit-Platte auf Trägermaterialien geklebt werden. Über 5 mm sind die Platten dimensionsstabil und selbsttragend. Dank ihres hohen Elastizitätsmoduls ist das Material sehr biegesteif. Zahlreiche Oberflächenausführungen sind bereits jetzt lieferbar.




Die dunkle Farbe des Materials ist dem Ausgangsprodukt Zucker geschuldet, denn wenn das Harz erhitzt wird, entsteht das für Zucker typische Nachdunkeln. Damit sind die Grundfarben der neuen Platte eigentlich gesetzt, denn das Harz lässt sich ohne chemischen Zusatz nicht aufhellen. Dr. Reitzel: "Genau das aber wollen wir eben nicht, denn die Platte soll eben ohne chemische Zusätze auskommen." Einen Kniff präsentierte Resopal aber schon: Mit dünnerer Harzschicht lassen sich eingefärbte Dekorpapiere hervorheben. Durch die natürlichen Zutaten "altert" die Platte übrigens. "RE-Y-STONE wird nicht alt, es reift", Schaefer grinst verschmitzt. Was RE-Y-STONE nicht mag, verrät der Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Resopal: "Es ist nicht komplett UV-beständig, eignet sich daher nicht für den Außeneinsatz."

Der Reiz des neuen Werkstoffs besteht in seiner Oberflächenausprägung. Zu bewundern war eine noch in der Nacht vor der Premiere gepresste Schiefernachbildung. Zahlreiche andere, interessante Oberflächen, die bisher aus Wurzelfasen, feinen Luftbläschen, Pergament, dickflüssigem Baumharz oder Regentropfen entstanden, lassen ahnen, dass RE-Y-STONE erst am Anfang seiner Dekor-Entwicklung steht.

Bemerkenswert ist, wie konsequent Resopal versucht, dem Gedanken der Umweltverträglichkeit der Bio-Platte auch in der Verarbeitung gerecht zu werden. Falls das Harz noch gefärbt wird, sollen Naturfarben eingesetzt werden. Wird RE-Y-STONE als Beschichtung eingesetzt, sollte auf den entsprechend natürlich erzeugten Kleber zurückgegriffen werden. Bei der nötigen Energie zum Pressen und Heizen setzt Resopal seit einiger Zeit konsequent auf Strom aus heimischer Wasserkraft. Und hat, als passende Ergänzung, eine der größten Solaranlagen ganz Hessens auf dem Firmendach.

Mehr Informationen: Resopal
RE-Y-STONE

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