10.03.2010
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Perfekte Scheibe für Denkmalschutz

Mundgeblasenes Isolierglas

Historische Fenster sind Energiefresser. Das muss nicht so bleiben, verspricht jetzt der Hersteller eines ganz neuen Isolierglas-Fensters.

von Lutz Odewald

 - Fotos: Glashütte Lamberts
Fotos: Glashütte Lamberts

Der spezielle Look alter Fensterscheiben lässt sich mit modernen planen Industriegläsern nicht erreichen. Einschlüsse oder leichte Unebenheiten fehlen, die Fenster wirken mit Floatglas kühl. Was die Hausfrau oder den Fensterreiniger beim Putzen und Pflegen freut, graust den Denkmalschützer. Jetzt gibt es eine Lösung: „Durch die Struktur unseres mundgeblasenen Glases erhalten Fenster wieder eine weiche und einladende Wirkung“, schwärmt Robert Christ, Prokurist bei der Oberpfälzer Glashütte Lamberts in Waldsassen.

Nur drei Glashütten weltweit
Bis in die 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts waren mundgeblasene Glasscheiben die Regel. Doch mittlerweile gibt es weltweit nur noch drei Glashütten, die das handwerkliche Flachglas herstellen. Vor allem bei klassischen Restaurationsaufgaben kommt das Glas zum Einsatz.
Wie passen aber alte Produktionsprozesse und -materialien und moderne Iso­lationsanforderungen zusammen? „Ziel der Entwicklung war ein möglichst „dünnes“ Isolierglas (ca. 10 mm) mit einer sehr guten Wärmedämmung (Ug = 1.9 W/m²K) sowie einer hohen Qualität des Randverbundsystems“, erläutert Dieter Zange, Chef des Partnerunternehmens Glas Zange. „Während die äußere Scheibe die klassische mundgeblasene Antikglasscheibe ist, besteht die innen liegende Scheibe aus Floatglas.“ Die Schwierigkeit, mit der Zange zu kämpfen hatte, war die Einbindung des handwerklich gefertigten Lamberts-Glases in Mehrscheiben-Isolierglas. Problem ist die unebene Oberfläche des mundgeblasenen Glases, die nicht einfach plan an den Glasrahmen anliegen kann. „Allgemein wurde das bis jetzt als unmöglich eingeschätzt, aber wir haben es doch geschafft“, verrät Zange stolz. Dank einer speziellen Gasfüllung und eines eigens dafür entwickelten Fertigungsverfahrens hat das Weidener Unternehmen das Lamberts-Glas verarbeiten können. Die dünne Scheibe lässt sich so in alte Fenster einarbeiten, lediglich die Profiltiefe der Leisten muss verändert werden.

Feinheiten in der Verarbeitung
Bei der Verarbeitung des Isolierglases müssen allerdings einige Feinheiten beachtet werden: „Der verarbeitende Betrieb sollte uns möglichst genaue Infos über die Verwendung der Scheiben zukommen lassen“, sagt Dieter Zange. Die Experten müssen die Verträglichkeit von Dichtstoffen prüfen und auch die baulichen Verhältnisse. Das in einer Isoglasscheibe eingeschlossene Gasvolumen verändert sich in Abhängigkeit von Luftdruck, Temperatur und Einbauhöhe. Im schlimmsten Fall kann sogar Glasbruch drohen. Doch Glas Zange hat auch hier Lösungen: „Auf Anfrage bieten wir eine Möglichkeit zum Druckausgleich an.“
Für alle, die nicht nur einfachverglaste Scheiben durch Iso-Fenster austauschen, sondern auch noch Dämmwerte beachten müssen und von dem mundgeblasenen Glas fasziniert sind, für die eignen sich dickere Isolierglasscheiben mit dem handwerklich gefertigten Außenglas. Damit werden Uw-Werte erreicht, die die EnEV 2009 locker erfüllen.

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