Personalführung
Mitarbeitersorgen sind Chefsache
Ein Mitarbeiter wirkt bedrückt und bringt schlechtere Leistungen? Zeit für ein Gespräch!
Ob Liebeskummer, familiäre Sorgen oder Schulden: „Die persönlichen Probleme der Mitarbeiter nehmen zu“, berichtet Eduard Brammertz aus Aachen. Als Vorstandsmitglied des Tischlerfachverbandes NRW und als Bundesvorsitzender des tarif- und sozialpolitischen Ausschusses weiß Brammertz sehr genau, wovon er spricht. Die Folgen seien gravierend: „Mitarbeiter sind das Herz der Firma, nicht die Maschinen oder der Name.“
Umso mehr seien die Arbeitgeber gefragt, sich um diese Sorgen zu kümmern. „Mitarbeiterprobleme sind Chefsache“, betont Brammertz. „Wir müssen uns um die persönlichen Dinge kümmern, sonst werden sie zum Leistungshemmnis.“
In seinem eigenen 22-Mann-Betrieb merkt der Unternehmer sehr schnell, wenn etwas im Argen liegt. Zur Unternehmenskultur gehöre es, dass morgens jeder jedem die Hand gibt und man sich die Augen schaut. „Da sieht man sofort, ob ein Mitarbeiter Sorgen hat, an den Augen, der Mimik, der Körpersprache.“ Dann will Brammertz es genauer wissen und spricht den Betroffenen direkt an, sofort oder bei Gelegenheit, unter vier Augen.
Probleme offen ansprechen
Genau richtig, meint Thordis Bethlehem. „Chefs sollten auf jeden Fall ein klärendes Gespräch führen“, sagt die Wirtschaftspsychologin aus Stuttgart. Denn persönliche Probleme eines Mitarbeiters können sich nicht nur auf dessen Leistungsfähigkeit auswirken. Unweigerlich würden sein Verhalten und seine schlechtere Leistung zum Gesprächsthema in der Kaffeepause. „Das zieht Energie vom Umfeld ab“, betont Bethlehem. Aufgabe des Chefs sei es, die Arbeitsabläufe wieder in gewohnte Bahnen zu lenken.
Hilfe anbieten
Ganz wichtig ist der Expertin: „Der Unternehmer kann das Problem nicht für den Betroffenen lösen.“ Er könne ihm aber ein Hilfeangebot machen, das ihm seine Situation erleichtert. „Manchmal reicht es schon, zuzuhören und Verständnis zu signalisieren.“ Je nach Problem könnten mögliche Vereinbarungen außerdem flexiblere Arbeitszeiten, Urlaubstage oder ein finanzielles Darlehen sein. Möglicherweise kann der Chef dem Mitarbeiter auch Kontakte vermitteln, die weiterhelfen.
Eduard Brammertz hilft, wo er kann. Seine Aufgabe sieht der Unternehmer darin, den Betroffenen ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen zu geben. Mal genüge es schon, wenn ein Mitarbeiter sein Herz ausschütten kann, in andern Fällen helfen vielleicht ein kleines Darlehen oder ein paar Tage Urlaub. „Wenn ein Mitarbeiter aufgrund persönlicher Sorgen nicht voll einsatzfähig ist, dann nehmen wir ihm die Last, kümmern uns um seine Termine und das Produktionsumfeld.“ Das sei keine Frage der Betriebsgröße oder der Auslastung. „Hat ein Betrieb mehr Mitarbeiter, dann haben auch entsprechend mehr Angestellte Sorgen, um die man sich kümmern muss.“
Nicht ganz einfach ist meistens der erste Schritt: „Der kann Überwindung kosten“, weiß Bethlehem. Die Hemmung sei durchaus berechtigt: Denn unter Umständen empfinde der Mitarbeiter das Interesse des Chefs als Übergriff auf sein Privatleben. Dann könne sich der Unternehmer eine schroffe Abfuhr holen, und die Situation verkompliziere sich. „Eine einfühlsame Ader des Chefs erleichtert die Sache“, sagt Bethlehem, die auch Vizepräsidentin des Berufsverbandes der Deutschen Psychologinnen und Psychologen ist.
Wie Sie im Mitarbeitergespräch vorgehen, lesen Sie auf der nächsten Seite
