Mai 2011 - Der Herr der Vectogramme
Mit der Lizenz zum Fräsen
Bekannt in aller Herren Länder
„Heute sind wir bei den großen Welt-Architekturstudios bekannt, arbeiten regelmäßig etwa mit Rem Koolhaas oder Ben van Berkel.“ Im letzten Jahr haben Poth und sein Team auf vier Kontinenten Projekte durchgeführt. Immer wieder sind darunter aufsehenerregende Designkonstruktionen, etwa für den großen Messestand, den Mercedes seit drei Jahren international auf den Automobil-Messen im Einsatz hat. 80 Kubikmeter massives Nussbaum haben Poth und seine Mannen dafür verarbeitet, eine 100 Meter lange und vier Meter hohe Wand aus Vectogrammen erschaffen. „Was wir können, ist, aus den modernsten Computer- und Designprogrammen der Architekten anfassbare, reale Hardware zu machen“, erklärt der hessische Weltenbummler. "Und wie wir bei Mercedes zeigen konnten, haben wir die klassische, alte Handwerkskunst dabei nicht vergessen."
Modernste Technik und handwerklich bestechendes Können locken Auftraggeber in aller Welt. Das bedeutet aber auch, dass Poth in einer Woche schon mal in die USA, nach China, zurück ins hessische Fürth und noch einmal nach China jettet. „2010 hatte ich 400 000 Flugkilometer auf der Uhr.“
Hautnah beim chinesischen Bauboom dabei
"Andres denken lohnt sich." Der Einsatz scheint sich für den dreifachen Familienvater zu lohnen, schmunzelnd verrät er: „Im Preiskampf stehe ich nicht mehr.“ Die Reiselust sollte ihm allerdings auch in Zukunft nicht vergehen. Gerade arbeitet er zusammen mit Stararchitekt Koolhaas an einem Gebäude in Shenzhen, bei dem das mit 15 000 m2 größte Vectogramm der Welt entsteht. „Alle großen Architekten bauen dort. Und freuen sich darauf, mit uns noch enger zusammenzuarbeiten.“
Aktivitäten in Afrika
Da liegt die in Ghana gegründete Firma, die mit 80 einheimischen Angestellten für die Ölindustrie baut und die Poth einmal im Monat besucht, ja fast um die Ecke. Neben dem Aufbau einer Produktion errichtet er dort zugleich auch eine Berufsausbildungsschule für angehende Tischler und Schreiner. Momentan größtes Projekt auf dem schwarzen Kontinent: "Wir sollen ein Hochhaus in Accra ausbauen." Und auch im Wüstenstaat Katar ist der hessische Globetrotter aktiv.
Zum Stellenwert der deutschen Handwerkskunst befragt, ist sich Poth sicher: "Wir sind handwerklich einfach die Besten weltweit. Da sollten wir viel öfter auch einmal stolz drauf sein."
Wenn es im heimischen Fürth so richtig rundgeht, dann sind nicht nur die 20 Festangestellten im Einsatz. "Wir buchen bei Großaufträgen ganze Schreinereien in der Umgebung. Dann schaffen auch mal 70 oder 80 Leute für uns." Die über 4000 m2 Produktionsfläche der eigenen Werkstatt reichen dann nicht aus
Die Lizenz zum Fräsen
Neueste Idee des holzverbundenen Unternehmers: Er vergibt Lizenzen für seine Vectogramme . „Wer eine CNC hat und Laufzeiten übrig, der könnte die Maschine damit gewinnbringend auslasten.“
Welcher der Spötter von vor mehr als 20 Jahren traut sich wohl, jetzt noch über die Ideen des cleveren Handwerkerunternehmers zu lästern?
Die blitzenden Augen und das Lausbubengrinsen verraten, dass vom Fürther Schreinermeister noch einiges zu erwarten ist.
