02.05.2011
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Mai 2011 - Der Herr der Vectogramme

Mit der Lizenz zum Fräsen

Er arbeitet kaum noch in seiner Werkstatt – aber er ist ein ausgezeichneter Schreiner. Er ist kein Verkäufer – aber seine Produkte werden in alle Welt exportiert. Er ist ein ­bodenständiger Typ – aber er setzt weltweit die verrücktesten Sachen um. Thomas Poth ist ­einen genaueren Blick wert.

Vectogramme sind sein Markenzeichen. Aber längst nicht alles, was den Handwerksmeister aus Fürth am Odenwald auszeichnet. Schon mit zarten 13 baute der Sohn eines Schreiners seine ersten Lautsprecherboxen und verkaufte sie gewinnbringend. Beim Gedanken an seine ersten wirtschaftlichen Gehversuche muss Poth schmunzeln: „Hat mich schon immer ausgezeichnet – handwerkliches Geschick und technisches Wissen.“ Mit 16 Jahren arbeitete Poth bereits als Bauleiter im väterlichen Betrieb. „Reine Bautischlerei, Baustelle in Berlin, ein harter Job“, berichtet er. Die Beziehung zum Vater war nicht ohne Spannungen, der junge Handwerker wurde schnell flügge und hatte eigene Pläne. „1978 habe ich meine Lehre und 1980 als erster Hesse die kombinierte allgemeine Hochschulreife mit abgeschlossener Berufsausbildung in der Tasche gehabt.“ Zusammen mit dem Bruder hat er nicht nur seine erste ­eigene Firma gegründet (Poth GmbH), sondern auch sein eigenes Haus gebaut. 1981 folgte die Gründung von „P & P“, seiner jetzigen Unternehmung. 

Im ganzen Leben nur zehn Privatkunden
Vier Jahre später schloss der junge Hesse seine Meisterprüfung in Bad Wildungen als Bester seines Jahrgangs ab. Noch heute wird sein Meisterstück als eines der leuchtenden Beispiele gezeigt. „Ich habe Tage und Nächte durchgearbeitet, mir sogar eine Fingerkuppe abgesägt. Die Verletzung geheim gehalten, Schmerzmittel geschluckt, und weitergemacht.“ Klar,die Regeln sind hart. Wäre bekannt geworden, dass sich der angehende Meister schwer verletzt hatte, wäre er von der Prüfung ausgeschlossen worden. Ironie des Schicksals: Heute sitzt Poth selber in Prüfungskommissionen.

Für die erste CNC ausgelacht
Eines der ersten Projekte des willensstarken Handwerkers war der Innenausbau eines Kindergartens. Der Einstieg in den Objektbau: „Ich habe in meinem ganzen Leben nur zehn Privatkunden gehabt.
„1991 habe ich die erste CNC angeschafft, eine gebrauchte Morbidelli für 100 000 Mark.“  Die brauchte Poth für einen Auftrag an der Uni-Klinik Mainz, wo er 100 Zimmer bauen sollte. „Meine Kollegen der Innung Darmstadt haben mich damals ausgelacht.“ Was müssen sie erst gedacht haben, als Poth 1994 seine erste Homag anschaffte? „Mein erstes BAZ von Homag hat die weltweite Nummer 24“, erzählt er stolz. „Alle haben mich für verrückt erklärt. Aber das hat mir einen enormen Wissensvorsprung verschafft.“
Der Schreiner ist sich sicher, davon noch heute zu zehren.
Sein erster angestellter Meister hatte ein abgebrochenes Mathe-Studium hinter sich. Und erwies sich dank seiner Vorkenntnisse als echter Könner. Die Maschine lernte unter seinen Fittichen richtig laufen. „Bis 2000 waren wir aber nur in Deutschland aktiv.“ 

Marketing per Autofahrt
Dann kamen die Vectogramme. Die Idee hinter den dreidimensionalen Bildern: Fotos werden schwar-zweiß eingescannt. Mit einem speziell entwickelten Programm werden die 256 Grautöne in Fräsbefehle umgesetzt. Variiert werden Breite und Tiefe der Fräsungen. Das Resultat: verblüffend detailgenaue Bilder, graviert in Plattenwerkstoffe in fast jeder Größe. 1998 meldete Poth die Methode zum Patent an. Und räumte etliche Preise für seine Innovation ab. Um seine Arbeiten noch bekannter zu machen, fräste er ein Corbusier-Bild in kleine Tafeln, setzte sich ins Auto und stellte seine Beispiele renommierten Architekten ähnlich wie die Tüte Brötchen einfach sonntags vor die Tür. Die hemdsärmelige Methode half: Bald klingelten die Branchengrößen bei ihm an. Und damit begann ein bis heute anhaltender Siegeszug. 

Der neueste Streich? Den verrät Meister Poth auf der nächsten Seite >>

 
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