07.01.2015
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Januar 2015 - Der Serien-Tischler

Masse mit Klasse

Udo Knake ist Serienmöbler im Handwerk. Mitten in der Küchen- und Möbelhochburg ­Ostwestfalen gelegen hat er sich in seiner Nische als ­Zulieferer der ansässigen ­Küchenhersteller etabliert. Spezialität des ­Herforders: ­achteckige Eier.

von Lutz Odewald

„Wir sind ein alter Betrieb.“ Mit diesen Worten öffnet Tischlermeister Udo Knake die Pforten seines Betriebes. Und tatsächlich: Wer Sinn für Althergebrachtes hat, der wird das spezielle Ambiente der Gründerzeit-Fabrik zu schätzen wissen.

Auf und ab mit Tradition
Die 100-Jahrfeier ist erst kürzlich absolviert worden, Knake ist in vierter Generation in immer den gleichen Gemäuern aktiv. Und spätestens beim Betreten des Lastenaufzugs merkt man: In dieser Möbelfabrik steckt Tradition.
Rumpelnd setzt sich das altertümliche Gefährt in Bewegung. „Ist aber total zuverlässig“, schmunzelt Udo Knake, als er die zweifelnden Blicke sieht. Es geht aufwärts. Was typisch ist in der Produktion in Herford. Denn schließlich befinden wir uns in einem altehrwürdigen Gebäude. Und das ist in all den Jahrzehnten kontinuierlich immer wieder an die Bedürfnisse der aktuellen Werkstatt angepasst worden. Für Anhänger von pedantisch durchorganisierten und cleanen Betrieben auf der grünen Wiese ein Graus, doch für die 15 Mitarbeiter kein Problem. „Zu Anfang verläuft man sich hier immer wieder“, erzählt Udo Knake, „doch irgendwann weiß man, wo man gerade steckt.“

 - Für Fans antiker Technik ist allein eine Fahrt im Lastenfahrstuhl bei Knake einen Besuch wert! Natürlich wird das Schätzchen nach wie vor rege genutzt und ist entsprechend technisch auf der Höhe der Zeit.
Für Fans antiker Technik ist allein eine Fahrt im Lastenfahrstuhl bei Knake einen Besuch wert! Natürlich wird das Schätzchen nach wie vor rege genutzt und ist entsprechend technisch auf der Höhe der Zeit.

Die Knakes sind in Ostwestfalen eine feste Größe, schon seit den Zeiten des Urgroßvaters. „Wir haben gleich angefangen mit dem Bau von Schlafzimmermöbeln“, beschreibt der Firmeninhaber die Anfänge kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Mitten im Zentrum der Möbelindustrie gelegen erfuhr die Produktionsweise kleinerer Fabriken in den folgenden Jahrzehnten einen drastischen Aufschwung. „Bis Mitte des letzten Jahrhunderts gab es etwa 100 solcher Fabriken allein hier in Herford“, erklärt Knake.

Wandel mit Innovation
Mit der maschinellen Weiterentwicklung der Möbel- und vor allem der Küchenmöbelindustrie veränderte sich diese gewachsene Struktur in den letzten Jahren aber dramatisch, mittlerweile gibt es nur noch wenige Betriebe vom Schlage der Möbelfabrik Werner Knake. Doch die Herforder fühlen sich gut aufgestellt und bestens gerüstet. „Schon vor über 40 Jahren hat mein Vater erkannt, dass in der Küche die Zukunft für uns liegt. Und den Betrieb konsequent als Zulieferer in diesem Bereich ausgerichtet. Fronten, Blenden, Regale und Kaminhauben sind feste Bestandteile des Sortiments in der Salzufler Straße.

Ganz in der Tradition seiner pfiffigen Vorväter steht Udo Knake. Denn der rührige Unternehmer hat, zusammen mit Vater Werner, die Zeichen der Zeit erkannt und die Oberfläche als eines der Alleinstellungsmerkmale seines Betriebes erkannt. „Als andere noch an der Furnierpresse standen, haben wir schon in eine UV-Lackieranlage investiert“, beschreibt Udo Knake die Entwicklung des Serienmöblers.
Heute arbeiten allein sechs Mitarbeiter in diesem Bereich der Produktion, veredeln die Halbzeuge mit aktuellen Beschichtungen. Mattlack, Wasserlacke, Glaslackierung oder Folierung – für Knake und sein Team keine Hürde. Auch eigene Entwicklungen werden hier ausgetüftelt, etwa Marmor in Pulverform („prima Ersatz für Eiche gekälkt“).

Marketing mit Pfiff und Weltrekord
Bereits in den frühen 80er Jahren setzte Werner Knake NC-gesteuerte Bohrmaschinen ein, heute ist die CNC ein unverzichtbarer Bestandteil der Produktion. „Maschinell waren und sind wir immer auf einem guten Stand“, verrät Udo Knake.
Nicht nur in Sachen Maschine. Der Tischlermeister und Betriebswirt des Handwerks setzt in Sachen Marketing konsequent auf Neue Medien. Wo andere Handwerker noch mit Berührungsängsten kämpfen, setzt Udo Knake längst Facebook und Co. ein. Und sorgt mit immer neuen Ideen für frischen Wind.

Guiness-Rekord aufgestellt
Guiness-Rekord aufgestellt - 
Privat

Jüngster Streich des Herforders: ein Weltrekord für die „größte hölzerne Zwinge der Welt“, gemeinsam mit seinem befreundeten Kollegen aus dem Obermeister-Team Heiko Bahls, der die überbetriebliche Lehrwerkstatt der Tischler-innung Herford in Bünde leitet, und 34 Auszubildenden aus dem gesamten Kreisgebiet. „Die Ausbildung liegt mir sehr am Herzen. Deshalb war es toll, dass die beteiligten Lehrlinge durch diese Aktion als Gruppe noch enger zusammengerückt sind“, beschreibt Knake sein ehrenamtliches Engagement.
Eine eigene Badmöbel-Kollektion aus Bambus, Auszeichnungen mit dem iF Material Design Award und dem Red Dot Award für einen mit Heiko Bahls entwickelten Liegestuhl sowie weitere Nominierungen für Preise im Produktdesign – man darf gespannt sein auf weitere interessante Nachrichten aus den altehrwürdigen Hallen der kleinen Möbelfabrik aus Herford.

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