Der Kantenknirps rüstet auf
Maschinen: Schugoema bringt die Laserkante für das Handwerk
Laser an der Platte? Neuer Maßstab in Sachen Kante? Für das Handwerk nicht machbar? Darüber kann Christof Schulte-Göbel nur schmunzeln. Der Erfinder des Kantenknirpses zeigt, wie man eine Null-Fuge auch mit bezahlbarer Technologie erreichen kann.
Im Sauerland wird gern gewandert. Im Winter kann man Ski fahren. Wälder bedecken Hügel und Berge, kleine Städtchen verstecken sich an murmelnden Flüssen. Mittendrin befindet sich das Örtchen Schmallenberg. Und ganz am Rande von Schmallenberg ist Christof Schulte-Göbel zu Hause. Und unten im Haus, in der Werkstatt, tüftelt der ehemalige Tischlermeister an seinen Ideen.
Der „Kantenknirps“ ist hier geboren worden. Die mobile Kantenanleimmaschine ist nach wie vor das technologisch ausgereifteste Produkt seiner Gattung. Ob integrierte Umwälzpumpe, spezielle Heizmodule für hohe Leimtemperaturen, die Lage des Leimbeckens oder ein eigener Bearbeitungstisch – die jetzige Handmaschinengeneration präsentiert sich stets verbessert und optimiert.
Hier haben auch ganze Gerätekombinationen das Licht der Welt erblickt, etwa die Komplettierung des Anleimers zu einem kleinen Bearbeitungszentrum rund um die Kante. Doch jetzt setzt Schulte-Göbel zum großen Wurf an. Denn das Thema Laserkante hat den Daniel Düsentrieb des Sauerlandes nicht ruhen lassen.
Daniel Düsentrieb
Doch jetzt setzt Schulte-Göbel zum großen Wurf an. Das Thema Laserkante hat ihn nicht ruhen lassen. Nur mit großen Maschinen und enormem finanziellen Einsatz möglich? Nichts für den normalen Tischler oder Schreiner?
Die Laser- oder besser coextrudierte Kante unterscheidet sich von bisherigen Kanten durch Zusammensetzung und Verarbeitung. Kleber ist nicht mehr notwendig, denn die reaktive Schicht, also das Verbindende zwischen Platte und Kante, ist Bestandteil dieser besonderen Kante. Die Vorteile liegen auf der Hand: kein Kleber, kein Schmutz, keine Wartezeiten bei der Weiterverarbeitung und vor allem keine Fuge zwischen Platte und Kantenmaterial.
Nichts für das Handwerk?
Einziger Haken: Um die Kante mit der Platte zu verschmelzen, setzen die Maschinenbauer auf aufwändige Apparaturen. Mittels eines Lasers wird die Funktionsschicht der coextrudierten Kante so erhitzt, dass sich das Material verflüssigt und intensiv mit der Platte direkt verzahnt. Diese Technologie ist aufwändig und nur in maschinellen Größenordnungen zu bekommen, die für das Handwerk uninteressant sind.
Noch sind Null-Fuge und Lasertechnologie nicht Standard in der industriellen Möbelfertigung. Doch aufgrund der technologischen Vorteile ist es absehbar, dass hier eine Kante Standard wird, die vom Handwerk nicht erreichbar ist.
Kante ohne Leimbecken
„Nicht erreichbar war“, betont Schulte-Göbel grinsend. Und schmeißt seinen neuesten Gedankenblitz an. Die Maschine sieht aus wie ein Kantenknirps ohne Leimbecken. Einige Kabel und Schläuche führen unter den Montagetisch, wo sich das technische Herzstück der Apparatur befindet. Schulte-Göbel führt eine Platte an die Maschine. Jetzt startet die Kantenaktivierung mittels einer Laser-Lichtschranke. Der Sound erinnert an einen Schwimmbad-Fön. Die Kante verbindet sich mit der Platte. Der Vorgang dauert nur kurz: „Wir haben eine Vorschubgeschwindigkeit von rund vier Metern pro Minute eingestellt. Das kann man aber variieren.“ Der Tischler reicht die Lupe: „Sehen Sie mal, wie die Unterschiede sind.“ Tatsächlich, das handliche Gerät erreicht eine Null-Fuge. Die Kante ist zudem fast unlösbar mit der Platte verbunden, genau wie bei den industriellen Anlagen. Des Rätsels Lösung? „Mittels eines hochtemperaturbeständigen Mediums, welches die Aktivierungsenergie speichert, erziele ich die notwendigen Temperaturen direkt an der Kante.“ Schulte-Göbel zeigt auf eine Box unter dem Werktisch: „Da steckt das Geheimnis drin. Ist alles zum Patent angemeldet.“
Mobile Null-Fuge
Doch es kommt noch besser: „Man kann die Maschine auch mobil einsetzen, wie beim Kantenknirps. Und auch andere Kantenanleimmaschinen lassen sich mit dem Aggregat problemlos nachrüsten.“ Eine Null-Fuge mit nahezu jedem Kantenanleimer? Man darf gespannt sein, wie die Industrie auf diese Erfindung reagieren wird. Den Preis schlagen können sie aber wohl nicht: „Zwischen 15 000 bis 20 000 Euro wird das Gerät kosten.“
Schmallenberg im Sauerland. Den Ort sollte man sich merken.
Weitere Informationen: Schugoema
