Interview mit Prof. Martin Stosch
Leichtbauinitiative OWL: Jetzt beginnt die Holzzeit!
Das internationale Möbelleichtbau-Symposium in Lemgo war ein voller Erfolg. Doch was bringen die Innovationen in Zukunft für das Handwerk? Ein Besuch beim Projektleiter der Leichtbauoffensive OWL, Professor Martin Stosch.
„Steinzeit war schon, Bronzezeit auch, die Eisenzeit ist lange vorbei - jetzt ist die Holzzeit dran.“ Meint jedenfalls Martin Stosch. Der Projektleiter der Leichtbauoffensive OWL ist mit "seinem" Symposium vom 10. und 11. Juni in Lemgo hochzufrieden.
Über 260 Teilnehmer versammelten sich beim ersten internationalen Symposium im ostwestfälischen Fachwerkstädtchen Lemgo. Und sprachen über alles mögliche, nur nicht über Leichtbau von Möbeln! Während Professor Stosch erzählt, schleicht sich ein breites Schmunzeln über seine Gesichtszüge.
Abseits des Möbelbaus
Von der Hochbaukonstruktion über die Luftfahrt bis zum Caravan- oder Yachtbau war der thematische Bogen gespannt. Ob naturfaserverstärkte Konstruktionen wie das „Hanfbike“ oder frei formbare Faltkern-Technologien, die trotz ihrer Luftigkeit extrem belastbar sind und den Flugzeugbau revolutionieren wollen - den interessierten Leichtbau-Fans wurden Lösungen aus benachbarten Branchen und Technologien präsentiert, die mit Möbelbau auf den ersten Blick nichts zu tun haben.
Das Handwerk muss mit
„Genau das war der Schlüssel zum Erfolg dieses Symposiums.“ Man merkt Professor Stosch die Erleichterung über die gelungene Veranstaltung an. Aber was sind die Effekte, die der Leichtbau in Zukunft auf das Handwerk haben wird?
„Ohne das Handwerk geht es nicht“, da ist sich Stosch sicher. „Was nicht Platz im Handwerk findet, das verankert sich auf Dauer auch nicht in unserer Branche.“ Überraschende Worte aus dem Munde eines Mannes, der vor allem für und um die Möbelindustrie forscht und mit entwickelt. Doch Martin Stosch erklärt: „Mittlerweile hat doch die Rolle des Innovators völlig gewechselt. Früher war das die Industrie. Heute ist das Handwerk viel innovativer.“
Der Mann weiß, wovon er spricht, denn er hat den Finger nicht nur am Nabel der Möbelindustrie, sondern ist selber gelernter Tischler der alten Schule. „Wir brauchen den Austausch mit dem Handwerk, arbeiten zum Beispiel mit Tischler NRW ganz eng zusammen.“
Chancen und Risiken
Doch warum konzentrieren sich die Bemühungen der Leichtbauoffensive momentan so auf die industriellen Möbelbauer? „Zum einen sind wir hier speziell dafür aufgestellt, in der Wiege des deutschen Möbelbaus zu lehren und zu forschen“, unterstreicht Stosch. „Außerdem kenne ich mittlerweile viele Betriebe, die wie selbstverständlich schon mit Leichtbau umgehen.“ Doch der Experte gibt zu, dass das Handwerk momentan noch auf nur sehr wenige Lieferanten setzen kann. „Egger, Moralt und Finsa sind alles, was im Holzhandel zu bekommen ist. Und Egger auch nur mit dem 8mm-Deck.“
Diese mangelnde Auswahl an Materialien und Formaten schränkt die Design-Kreativität natürlich ein. Zum anderen seien die Maschinen, die mit Leichtbauplatten umgehen können, natürlich eine gewichtige Investition.
Die Stunde des Leichtbaus kommt!
Und der Blick in die Zukunft? Professor Stosch ist sich sicher: „Die gehört dem Leichtbau.“ Die Erklärung ist ebenso erschreckend wie denkbar einfach: „Wir verbrennen mehr als die Hälfte unseres Werkstoffs Holz, um Energie zu erzeugen. Ein Kilo Sperrholz ist billiger als ein Kilo Pellets. Es ist also billiger, Sperrholz zu verfeuern, als Pellets.“ Man muss kein Prophet sein, um zu verstehen, dass Holz zum knappen Gut wird. „Die Stunde des Leichtbaus in der Holzbranche kommt garantiert.“
