Fisch auf dem Tisch mal ganz anders
Lachs und Leder
Es gibt Menschen, die essen Salmo salar einfach auf. Und es gibt Menschen, für die der wahre Genuss erst nach dem Verzehr beginnt.
Zieht man dem Lachs die Schuppen aus, dann kann man aus seiner Haut tatsächlich Leder gerben. Auf diese zunächst verrückt klingende Idee ist Rudolf Laschinger gekommen. Der Bayer begann 1979 allerdings damit, den Lachs in seiner klassischen Nutzform zu nutzen: als Grundmaterial für seine Räucherei.
Schon 1985 verschrieb er sich dem Import seiner Fische aus ökologisch unbedenklichen Betrieben und der weiteren Veredelung der leckeren Schuppenträger. Doch der findige Unternehmer begann irgendwann, nicht nur die verzehrwürdigen Bestandteile seiner Räucherware zu schätzen. 2004 gipfelte seine Neugier in der Idee, aus dem eher ungeliebten und ungenießbaren Rest des Lachses, nämlich der Haut, Leder zu machen.
Die Idee zum „Nanai-Leder“ war geboren.
Natürlich dauerte es eine Weile, bis aus der schuppigen Pelle des Kiemenatmers tatsächlich edles Leder wurde. Schließlich galt es, nicht nur ein industrielles, sondern auch ein umweltverträgliches Verfahren zu entwickeln. Doch heute haben Laschinger und sein Partner Holger Hain die Methode perfektioniert.
Zunächst wird der Lachs „entfleischt“. Wurde das früher per Zuhilfenahme des Konsumentenmagens bewältigt, erledigen heute spezielle Anlagen diese einst kulinarische Hürde. Danach geht es Schuppen und Geruch an den Kragen, indem die Haut gewaschen und entfettet wird. Anschließend geht es in den Ofen, wo allerdings nicht Raucharoma das Ziel ist, sondern die Vorbereitung auf weitere Verarbeitung.
Denn jetzt erfolgt das Gerben. Das passiert, natürlich biologisch korrekt, ohne das übliche Chrom. Damit bleiben Pigmentierung und Struktur der Lachshaut erhalten und schaffen das unverwechselbare Muster. Schließlich soll man den Ex-Fisch nicht mit der gegerbten Haut einer Ex-Kuh verwechseln.
Das fertige Leder wurde bisher meist von der Modebranche verwertet. Doch mittlerweile haben auch die ersten Innenausbauer das extravagante Fischkleid für sich entdeckt. Denn das Nanai-Leder erfüllt alle Anforderungen der klassischen Lederhäute, kann daher auch bedenkenlos im Bereich des Möbelbaus und der Inneneinrichtung verwendet werden.
32 verschiedene Farben werden angeboten. Nanai ist ungebleicht oder gebleicht erhältlich, wird unlackiert oder lackiert ausgeliefert. Und nach Angaben von „Salmo Leather GmbH“, so der Name der Firma aus dem bayerischen Bischofsmais, ist das Nanai-Leder äußerst reiß- und zugfest. Dabei ist es nur hauchdünn, lediglich 0,5 bis einen Millimeter stark. Es lässt sich sogar noch weiter aufspalten.
Die Verklebung erfolgt ganz normal mit einem einseitigen PU-Kontakt- oder einem speziellen Lederkleber. Und damit kann Nanai-Leder natürlich auf alle möglichen Werkstoffe aufgebracht werden.
