Januar 2012 - Der schreinernde Jägersmann
Immer auf der Pirsch
Wenn Jörg Schmitt seiner Leidenschaft nachgeht, dann knallt es. Der Schreinermeister ist passionierter Jäger. Und für seine ganz speziellen Hochsitz-Möbel weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus bekannt. Doch er hat noch ganz andere Qualitäten.
„Meine Hochsitze tragen alle mein Zeichen und ihren ganz speziellen Namen, eingelegt mit Blattgold. Und sind wir auch beim Aufbau tätig, dann weihe ich die Kanzeln mit einem Signal meines französischen Jagdhorns ein.“
Wenn Meister Schmitt über seine ganz besonderen Sitzgelegenheiten spricht, streiten zwei Herzen in seiner Brust. Der Schreiner aus dem Saarland ist quasi seit Geburt Jäger, schon Vater und Großvater streiften durch ihr Revier. „Ich habe schon Tausende Hochsitze gebaut.“
Während dies früher meist in Eigenarbeit durch die Jagdgemeinschaft erledigt wurde, verändert sich das Selbstverständnis des Jägers in den letzten Jahren. Heute werden gute Jagdreviere durch Makler an ihre wohlhabende Klientel gebracht. Und die will nicht wochenlang mit Werkzeug durch den Wald ziehen und mühsam ihre Hochsitze aufbauen. „Da kommt dann schon mal eine Bestellung von 20 Ansitzkanzeln rein“, weiß Jörg Schmitt zu berichten. „Die wollen das Revier gleich komplett ausgestattet haben.“ Während der Waidmann in ihm den Wandel bedauert, freut sich das Unternehmerherz.
Jagd hoch Eins
Der jagende Schreiner ist in der Szene wohlbekannt, seine Konstruktionen profitieren von der jahrzehntelangen Praxis. „Meine Sitze knarren nicht. Die Türen der Kanzeln frieren nicht zu und dank der richtigen Holzstärke brauche ich auch keine zusätzliche Isolierung, die faulen kann oder Insekten Unterschlupf bietet.“ Wenn Schmitt dann noch erzählt vom gutem Sitzkomfort, der wichtig sei bei stundenlangem Ansitzen, oder vom bequemen Aufstieg, dann beginnt man auch ohne jagdliche Erfahrung zu begreifen, dass seine Hochsitze mehr sind als selbst zusammengezimmerte Unikate aus freier Wildbahn. „Innen verlege ich Kunstrasen, der schimmelt nicht. Und auf dem kann die bewegliche Sitzbank lautlos verschoben werden.“ Auf Wunsch integriert der Schreiner eine Ablage für das Laptop, baut zur Liegefläche erweiterbare Innenbänke ein oder stattet die meist vier Meter hohen Türme mit einem Windanker aus, der die Hochsitze auch bei Sturm sicher stehen lässt.
Innenausbau hoch Zwei
Leitersitze und Ansitzkanzeln, Drückjagd- oder Scherensitze – bei Schmitt wird jeder Jagdfreund fündig. Doch nicht umsonst hat der 43-jährige Schreinermeister seinen Betrieb „Schmitt hoch Vier“ getauft. Neben der Ausstattung der grünen Zunft hat sich der Saarländer zudem sowohl die Bauschreinerei wie auch den Möbelbau und Serviceleistungen auf die Fahnen geschrieben. Dabei fährt der ehemalige Produktionsleiter, der erst 2001 seinen Handwerksmeister machte, einen strikt auf das handwerkliche Können ausgerichteten Kurs. „Bei uns werden noch alle Schubladen verzinkt.“ Aus den Worten von Schmitt klingt Stolz. „Eine CNC? Braucht doch kein kleiner Schreiner wie ich.“ Und richtig: Die Werkstatt wird dominiert von älteren Standardmaschinen. Schmitt öffnet einen Werkzeugschrank: „Bestes Japan-Werkzeug. Das hat was.“
Ein Schreiner mit Vision und Plan ... >>
