01.12.2011
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Anspruchsvolle Restaurierungen alter Gemäuer

Im Land der Umgebindehäuser

Rund 19 000 historische Schätzchen kann man im Dreiländereck ­zwischen Polen, Tschechien und Deutschland noch finden. Oft erfolgt eine Rettung der alten Bausubstanz in letzter Sekunde. Gut, wenn man einen fachkundigen Spezialisten im Hintergrund hat.

Jahrzehntelang verfiel die historische Bausubstanz der Umgebindehäuser. Doch mittlerweile gibt es erste prächtige Restaurierungen der eigenartigen Mixtur aus Fachwerk- und Blockbau.

Umgebindehäuser finden sich in Niederschlesien über die Oberlausitz und Nordböhmen bis ins Elbsandsteingebirge. Auch in der Niederlausitz, dem Erzgebirge, im Vogtland und in Ostthüringen sind einzelne Umgebindehäuser noch erhalten.


Die eingeschobene Stube
Allen gemein ist ihre besondere Konstruktion. Denn in einem Umgebindehaus sind Stubenkörper und Dach beziehungsweise Stubenkörper und Obergeschoss baulich und statisch getrennt. Ein hölzernes Stützensystem führt um eine Block- oder Bohlenstube, den eigentlichen Wohnbereich des Hauses, herum. Diese Ständer sind seit dem Ende des 18. Jahrhunderts über leicht gebogene Kopfhölzer und Knaggen verbunden. So ergibt sich der typische Umgebindebogen.
Auf den Holzsäulen ruhen Dach oder Obergeschoss, meist in Fachwerk ausgeführt. Der Sockel ist meist in Bruchstein ausgeführt. Und eine oder zwei der Außenwände der Blockstube sind ebenfalls in Stein ausgeführt. Die Blockstube war traditionell der einzig beheizte Raum im Haus.

 - Typisches Detail: der Türstock aus Granit oder Sandstein
Typisches Detail: der Türstock aus Granit oder Sandstein


Slawen und Franken vereint
Als Grund der eigenartigen Konstruktion wird oft geschildert, dass in Umgebindehäusern große Webstühle in der Blockstube aufgebaut gewesen seien. Deren Schwingungen wären durch die bauliche Trennung aufgefangen worden und hätten der Struktur so ­keinen Schaden zugefügt. Allerdings wurden in die Häuser keine maschinellen Webstühle eingebaut, die diese Schwingungen hätten hervorrufen können, sondern eher kleinere hölzerne Exemplare.

Wahrscheinlicher ist daher, dass Umgebindehäuser aus einer Mixtur zweier Haustypen entstanden. Während die slawische Bevölkerung auf die bewährte Blockstube setzte, die vor allem rauher Witterung hervorragend trotzte, brachten mittelalterliche Siedlungswellen aus Franken und Thüringen das dort weitverbreitete Fachwerkhaus mit. Und die Dorfhandwerker fügten einfach beide Bauweisen zusammen.

 - Der Sockel und ein oder zwei Wände der Blockstube sind meist aus Bruchstein.
Der Sockel und ein oder zwei Wände der Blockstube sind meist aus Bruchstein.


Besonders aktiv in Sachen Rettung der einmaligen Bausubstanz ist Remmers . Das Löninger Unternehmen hat nicht nur eine rührige polnische Dependance, die sich seit Beginn der Förderung der Umgebindehäuser für deren Erhalt einsetzt. Sondern Remmers eignet sich dank eines kompletten Produktportfolios auch als Komplettanbieter für die Restaurierung der alten Gemäuer.

 - Rademacher Hof
Rademacher Hof

Der Rademacher Hof
Der Fachwerkbau „Rademacher Hof” aus dem Jahr 1822 stand ursprünglich im 23 km entfernten Wigancice Ytawskie. Durch Expansion des nahegelegenen Bergwerks Turów drohte die völlige Zerstörung des gesamten Dorfes. Deshalb wurde das Haus komplett demontiert, transportiert und wieder aufgebaut.
„Das war eine riesengroße Herausforderung”,
so Grzegorz Bojarski, Fachvertreter Remmers  Polska und organisatorisch stark engagiert. „Jeder
Balken war numeriert und musste ohne Schrauben und Nägel wieder zu dem originalen Stützwerk zusammengebaut werden. Für den Holzschutz mit Remmersprodukten waren das allerdings ideale Bedingungen. Wann sonst können so alte Balken und Bretter einen derartig perfekten Rundum-Schutz erhalten.”
Heute beherbergt der „Rademacher-Hof“ ein Hotel mit einer Gaststätte.

 - Gasthaus Zum Grünen Ei
Gasthaus Zum Grünen Ei

Das Gasthaus "Zum Grünen Ei"
26 km südlich von Bolesławiec (Bunzlau) steht das 200 Jahre alte Fachwerkhaus, dessen meterdicke, steinerne Mauern im Erdgeschoss aus demselben Sandstein errichtet wurden wie das Berliner Brandenburgertor und der Reichstag.
Das Haus wurde von Grund auf mit Remmers-Systemen renoviert. Die Fachwerk-Wände, das Sandstein-Gemäuer und der kunstvolle Dachverband aus gewaltigen Lärchenbalken
wurden zuvor einer sorgfältigen Bauzustandsanalyse unterzogen.
Gäste werden im Restaurant mit der polnischen Küche verwöhnt und erleben im sogenannten Schlossgewölbe die Atmosphäre einer vergangenen Zeit.

 - Haus in Bogatynia
Haus in Bogatynia

Umgebindehaus in Bogatynia
Erste Hinweise über das schöne Umgebindehaus an diesem Standort stammen aus dem Jahr 1688. Das begründet die Vermutung, dass dieses
Bauwerk mehr als 400 Jahre alt ist.
Die Eigentümer planten eine sorgfältige Restaurierung und Modernisierung nach den Vorgaben der Baudenkmalpflege. 2007 begannen die Arbeiten:
Renovierung der originellen Kammstube, Wiederherstellung der Umgebinde-Konstruktion im Erdgeschoß und des Fachwerks im ersten Stock sowie des Dachverbandes waren die wichtigsten Herausforderungen. Es gelang, die Kammstube, Teile des Stockwerks, die Balken- und Bretterlage, Treppe, Fenster und Türen in ursprünglicher Form zu erhalten.

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