29.05.2012
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Das Holzhelden-Interview

Hettich: Innovationen fürs Handwerk

Dr. Andreas Hettich, Vorstand von Hettich, im Interview zu Licht, Leichtbau und neuen Beschlägen.

von Lutz Odewald

Mit der sogenannten Buckmaschine zur effizienten Herstellung von Ankerhaken für Kuckucksuhren begann vor mehr als 100 Jahren der Erfolgsweg der Ostwestfalen. Heute stellt Hettich mit 5900 Mitarbeitern weltweit Beschläge für Möbel her. Und ist in Sachen Innovation und Entwicklung einer der Treiber der Branche.

 - Dr. Andreas Hettich
Dr. Andreas Hettich

Holzhelden : Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich der Rohstoff Holz drastisch verteuern wird. Ein möglicher Ausweg ist der Leichtbau. Wie sehen Sie die Chancen und wie erklären Sie sich das zögerliche Engagement im Handwerk?
Dr. Hettich: Nach wie vor ist die Leichtbauplatte teurer als die Spanplatte. Also muss Leichtbau anders punkten, um im Handwerk akzeptiert zu werden. Natürlich ist die Wabenplatte leicht. Aber: Wann wird ein Möbel bewegt? Eigentlich soll es ja, nach Umzug oder Aufbau, fest stehen. Da interessiert das Gewicht nachher wenig.
Die Optik der dicken Platte ist, nach einer Zeit der filigranen Fronten, wieder stark im Kommen.
In Sachen Funktion haben wir mit Halemeier und Hunger innovative Konzepte entwickelt, um den „Leerraum“ der Leichtbauplatte zu nutzen, etwa für Licht oder Multimedia.


Gerade bei großen Formaten punktet die Platte mit ihrer Steifigkeit. Schiebetüren und Türen sind ideale Anwendungen der Leichtbauplatte. Die Beschläge dazu sind bei uns ja alle vorhanden. Eigentlich sehe ich Leichtbau sogar eher im Handwerk als in der Industrie, denn in einer Tischlerei ist die Investition, um sich damit gewinnbringend zu beschäftigen, viel geringer als in der Industrie, wo gleich ganze Produktionsstraßen angepasst werden müssten. Und im Kundenkontakt kann man die ökologischen Pluspunkte viel besser kommunizieren.

Holzhelden : Wie sehen Sie die Zukunftschancen und Entwicklungen von elektrifizierten Beschlägen?
Dr. Hettich: Beim Licht sehe ich den Nutzen sofort. Die Entwicklung ist hier total spannend, bei den LEDs tut sich ganz viel. Und am Horizont kommt schon die nächste Generation, die OLEDs.
Bei der motorischen Bewegung begeben wir uns auf das Feld der Spielerei. In unserer Ausstellung haben wir zum Beispiel eine Küche aufgebaut, die zukünftige Möglichkeiten unseres ArciTech-Schubkastensystems zeigt und mit einem iPad bedient wird. Zusammen mit einem Kunden aus Frankreich haben wir sogar schon eine sprachgesteuerte Küche für seinen Messeauftritt entwickelt.
Realistisch halte ich motorische Unterstützung da für sinnvoll, wo schwere Lasten bewegt werden, etwa beim Apothekerauszug, bei schweren Schiebetüren oder im Multimediabereich im Wohnzimmer, wo Möbel und Multimedia verschmelzen. Aber ein Massenpublikum sprechen wir damit wohl eher nicht an.

Holzhelden : Bei Ihrem neuen Beschlagsystem ArciTech wollen Sie mittels optimierter Logistik eine enorme Verfügbarkeit sicherstellen. Wie aufwendig ist eigentlich die Entwicklung eines derartigen Beschlagsystems?
Dr. Hettich: Für ArciTech haben wir tatsächlich noch einmal ganz von vorn angefangen und die Grundlagen der Beschlagstechnik hinterfragt. Vier Jahre hat die Entwicklung von ihren Anfängen bis heute gedauert. Allein 60 Patente haben wir für ArciTech angemeldet. Diverse Entwicklungsteams haben sich in immer neuen Stufen mit dem Beschlag beschäftigt. Schließlich haben wir rund 2000 Artikel neu entwickelt.

Holzhelden : Wo sehen Sie hier die Rolle des Tischler- und Schreinerhandwerks?
Dr. Hettich: Rund ein Drittel unserer Kunden stammt aus dem Handwerk. Und da ist die Verfügbarkeit ein extrem wichtiges Thema. Kein Betrieb kann es sich heute noch leisten, große Vorräte aufs Lager zu legen. Daher werden wir für unseren neuen Beschlag neue Wege gehen. Der Händler nimmt die Bestellung wie gewohnt entgegen. Doch beliefert wird der Tischler und Schreiner direkt von Hettich, um so wirklich eine optimale Versorgung zu realisieren. Damit geben wir ArciTech, da sind wir sicher, noch einmal zusätzlichen Schwung im Handwerk.

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