02.01.2012
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Tischler gewinnt bei Signal-Iduna-Umweltpreis

Er hatte Rücken ...

... und jetzt hat er einen Preis. Schuld sind eigentlich seine Bandscheiben. Und sein ­Einfallsreichtum. Franz Brinkmann hat den 3. Platz beim Signal Iduna-Umwelt- und Gesundheitspreis gewonnen.

 - Franz Brinkmann
Franz Brinkmann

Oerlinghausen ist ein kleines Städtchen vor den Toren Bielefelds. Was schon einiges über die Abgeschiedenheit der Gegend aussagt, wie böse Zungen behaupten. Hier hat Tischlermeister Brinkmann seinen Betrieb. Klein, aber blitzblank und aufgeräumt.
Der 58-Jährige wirbelt in der Werkstatt zusammen mit einem Gesellen. Die beiden sind gut ausgelastet, viel Zeit haben die zwei Tischler wenig. Innenausbau ist ihr Revier. Oftmals sind sie für Architekten tätig. „Wir arbeiten mit den besten hier aus der Gegend.“ So richtig wohl fühlt sich Brinkmann, wenn die Aufträge knifflig und die Formen ausgefallen werden.


Anstoß Bandscheibenvorfall
Eines Tages ereilte den Handwerker ein Bandscheibenvorfall. Und den konnte sich der rührige Unternehmer nun überhaupt nicht leisten. Wie sollte er in seiner kleinen Werkstatt schwere Platten auf die Kreissäge bekommen? Der Tischler dachte nach. Und kam auf einen Einfall, den er selber „total simpel“ findet. Er montierte Förderrollen an ein Gestell und brachte dies schwenkbar auf einem fahrbaren Untersatz an. 

„Damit kann ich Plattenmaterial bis zu einer Größe von 2800 mal 2070 Millimeter ganz alleine bewegen“, erzählt der Tüftler, während er tatsächlich eine der schweren Standardformate auf den Wagen bugsiert und dann durch die engen Gassen seiner Werkstatt saust. Ruckzuck liegt die schwere Platte auf der Säge. Und zwar komplett allein, ohne Hilfe eines zweiten Mannes.


Teilnahme aus einer Laune
Wie es dazu kam, dass er an dem Signal-Iduna-Preis teilnahm? „Ich habe die Ausschreibung gelesen und mich dann mit ein paar Fotos und einer kurzen Beschreibung beworben“, grinst Brinkmann verschmitzt. „Und irgendwann haben die sich tatsächlich gemeldet.“
Was nicht weiter verwundert, wenn man sieht, wie spielerisch der Umgang mit den schweren Platten durch das relativ einfache Gerät wird. Schließlich wendet sich die bereits zum 15. Mal verliehene Auszeichnung vor allem an klein- und mittelständische Unternehmen oder Einzelpersonen, die sich einen Kopf machen um regenerative Energieeinsätze, den Klimaschutz oder andere Aspekte der Umweltentlastung und der Gesundheitsschutzmaßnahme.


Wie heißt das Gerät?
Wie heißt denn das Gerät eigentlich? Franz Brinkmann stutzt. Ein Blick auf die Preisurkunde verrät es uns und ihm: Es ist eine „Hebe- und Transportvorrichtung für Holzplatten“. „Stimmt, so heißt es. Auf jeden Fall habe ich einen Gebrauchsmusterschutz drauf. Wär doch schade, wenn die gute Idee weggeschnappt würde.“ Und was passiert, wenn nach dem Lesen dieser Zeilen Kollegen bei ihm anrufen und seinen mobilen Bandscheibenschoner ebenfalls haben möchten? Brinkmann stutzt erneut: „Da hab ich mir ja noch gar keine Gedanken drüber gemacht. Wann erscheint die genau?“

 - In Oerlinghausen wird ordentlich aufgeräumt gearbeitet!
In Oerlinghausen wird ordentlich aufgeräumt gearbeitet!


Wir sind gespannt, wie der prämierte Tischlermeister mit Anfragen aus den Betrieben ­umgeht. Eigentlich hat er ja mehr als genug zu tun mit seiner Werkstatt und den Archi­tekten. Doch seine Hebe- und Transportvorrichtung ist einfach zu pfiffig, um nach der Preisverleihung wieder in Vergessenheit zu geraten. (lo)

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