04.10.2011
1 Bewertung(en) Rating
Schriftgröße

Das Holzhelden-Interview

Düstec: Auf (Plasma-)Wolke 7

Wilfried Niemann ist Kummer gewohnt. Da hat er schon wieder jemanden vor sich, der Laser und Plasma durcheinandergebracht hat. Also Ärmel hoch und noch einmal genau erklärt ...

Wer Düstec sucht, der muss nach Preußisch Oldendorf. Wer den Namen liest, der ahnt: Es geht in die Provinz. Das war im Jahre 1831, als die Tischlerei gegründet wurde, kein Problem. „Und für gute Geschäftsbeziehungen ist das noch immer kein Hindernis“, schmunzelt Wilfried Niemann, Geschäftsführer der Düstec GmbH und der Niemann Möbelteile. „Schließlich liegen wir am Rand von Ostwestfalen, haben die Größen des Möbelbaus direkt vor uns.“ Und wer im Bereich Oberfläche und Möbel aktiv ist, der kennt das innovative Unternehmen und den Weg dorthin sowieso. 

Die Karl W. Niemann GmbH & Co KG ist heute ein reiner Zulieferbetrieb für Möbelindustrie, aber auch für Tischler und Schreiner. Niemann hat das Plasmaverfahren für die Kante entwickelt und patentieren lassen. In der eigens dafür neu gegründeten Firma Düstec wird die Plasmatechnologie weiterentwickelt.


Herr Niemann, was sind die grundlegenden Unterschiede zwischen ­Laser und Plasma?
Generell geht es darum, eine Nullfuge zu erzeugen. Dazu benötigt man eine Kante mit Funktionsschicht, dann muss Energie an die Kante gebracht werden. Der Laser erzeugt diese hohe Energie mittels seiner oszillierenden Lichtimpulse und aktiviert so die Funktionsschicht des Kantenmaterials. Wir setzen dagegen Plasmatechnologie ein.
Plasma ist der ‚vierte Aggregatzustand‘. Nach fest und flüssig kommt gasförmig. Wenn jetzt weitere Energie zugeführt wird, dann ionisiert das Gas und bildet eine hochenergetische Plasmawolke. Das Plasma wird mithilfe einer Düse aus Luft erzeugt und als Strahl auf die Kante gerichtet. Beim Kontakt mit der Kantenmaterialoberfläche wird die dünne Funktionsschicht aktiviert und klebrig. Nach dem Andrücken der Kante auf die Schmalseite der Platte entsteht auf diese Weise die „Nullfuge“.

Das hört sich ziemlich kompliziert an.
Natürlich steckt hinter dem System eine Menge Know-how. Aber wir haben seit Jahren Erfahrung mit Plasmatechnologie. So haben wir unsere Alukanten schon lange mit Plasmaenergie vorbehandelt.

Die Firma IMA Kleesmann, mit der Sie zusammenarbeiten, bietet Laser und Plasma in ihren Highend-Maschinen ein. Wo sehen Sie die Stärken von Plasma?
Die Plasmatechnologie braucht deutlich weniger Energie, das Aggregat benötigt nur rund fünf bis sechs kW Leistung. Zudem ist der Umgang mit Plasma unkompliziert, braucht wenig Einarbeitungszeit und hält kein zusätzliches Gefahrenpotenzial bereit, anders als bei der Lasertechnologie. Außerdem ist das Aggregat sehr robust, hat geringe Instandhaltungskosten und eine lange Lebensdauer. Und Plasma ist schneller, erreicht Vorschubgeschwindigkeiten von bis zu 60 Metern.

Hohe Vorschubgeschwindigkeiten sind eher eine Sache für die Industrie. Ist ­Plasma also nichts für das Handwerk?
Plasmaaggregate lassen sich hervorragend nachrüsten. Auf der letzten Ligna haben wir zusammen mit unserem Entwicklungspartner, der Firma Plasmatreat, eine Kantenanleimmaschine ausgestellt, die 20 Jahre alt war. Die funktionierte mit unserem Düstec-Aggregat ausgezeichnet. Noch ist Plasma recht teuer. Doch das wird sich mittelfristig ändern. Und habe ich erst einmal ein Aggregat, dann kann ich es einfach auf die nächste Maschine mitnehmen. Plasmaaggregate sind unverwüstlich.

Sie sind nach wie vor ein Innungsbetrieb, ­selber in der Innung aktiv, kennen also die Bedürfnisse von Tischlern und Schreinern. Für wen ist die Nullfuge schon jetzt interessant, was kommt auf die Betriebe in ­Zukunft zu?
Wir arbeiten ja auch heute schon im Bereich der klassischen Kante auf hohem Niveau, auch ohne Nullfuge. Aber was technisch machbar ist, wird irgendwann zum Standard. Wenn sich also ein größerer Innenausbauer oder Ladenbauer qualitativ unterscheiden will, dann wird er um die Nullfuge nicht herumkommen.

Das Interview führte Lutz Odewald.

Ist dieser Artikel für Sie hilfreich?

Kommentar schreiben

Ihre persönlichen Daten:

Sicherheitsprüfung: (» refresh)

Bitte füllen Sie alle Felder mit * aus! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.