Juli 2011 - Das perfekte Duett
Die Schmunzelmacher
Ohne Lächeln scheint es bei Christina und Martin Schlingmann nicht zu gehen. Kein Wunder, spielen die Odenwälder Innenausbauer in ihrer Region doch in der ersten Liga. Die Kunden lassen sich von der guten Stimmung der Umwelttischler scheinbar gern anstecken.
Bei Schlingmann regiert die gute Laune. Wer den kombinierten Ausstellungsraum mit Büro betritt, den begrüßt das verschmitzte Lächeln von Ina Trautmann. Die diplomierte Innenarchitektin ist nicht nur ein As im Umgang mit Kunden, Architekten und ihren Chefs. Wenn nötig, dann saust sie auch aus Ausstellungsraum und Büro, wechselt die Kluft und schreinert in der Werkstatt. Denn die allererste Auszubildende der Schlingmanns und spätere Preisträgerin der „Guten Form“ weiß genau, worauf es bei der Umsetzung ihrer eigenen oder der Projekte der Mitarbeiter ankommt. Das ist typisch für den Betrieb in Bad König, in dem die Chefs auf hohe Eigenverantwortlichkeit setzen.
Weibliche Kompetenz
Frauen in der Werkstatt? In der Schreinerei kein Sonderfall, sondern Selbstverständlichkeit, wie Christina Schlingmann kurz darauf erklärt: „Wir sind auch deswegen so erfolgreich, weil eben Frauen bei uns mit dabei sind.“ Dabei weiß die Schreinermeisterin genau, wie schwierig es für Frauen ist, sich im Handwerk durchzusetzen: „Ich war in meiner Lehrlings- und Gesellenzeit fast immer ganz alleine als Frau.“ Auf der Meisterschule in Darmstadt waren von 250 angehenden Meistern gerade einmal drei weiblichen Geschlechts. Das hinderte die Powerfrau nicht, nach absolvierter Prüfung anschließend selber jahrelang als Dozentin aktiv zu sein. 2005 wurde Christina Schlingmann als „Meisterfrau des Jahres“ ausgezeichnet. Heute sind die Schlingmänner stolz darauf, „wie kaum ein anderes Handwerksunternehmen im Odenwald auf die Kompetenz von Frauen zu setzen.“
Männliche Spontaneität
Auf der Meisterschule lernte Christina Schlingmann nicht nur den perfekten Umgang mit Material und Maschine, sondern auch gleich den richtigen Mann fürs Leben kennen. Der kommt gerade vom Dach. Eine Solaranlage wird installiert. Und Martin Schlingmann legt natürlich selber Hand an. Typisch für den aus Westfalen stammenden Schreiner: „Ich muss täglich in der Werkstatt sein, das ist mir ganz wichtig.“ Christina Schlingmann lacht: „Mein Mann ist durch und durch Unternehmer. Ich bin die Planerin, er ist der Spontane und hält uns mit seinen Ideen ganz schön auf Trab.“
Die Umwelttischler
Ganz wichtig ist dem Schreinermeister das Engagement bei den Umwelttischlern. „Zum einen kommen wir aus der ‚grünen Ecke‘“, schmunzelt Schlingmann. Anti-Atomkraft-Bewegung und Friedensmärsche sind für die Schlingmanns keine Fremdworte. Zum anderen fanden die beiden Meister hier auch eine kollegiale Unterstützung, die in schwierigen Zeiten das Überleben des Betriebs ermöglichte. „2002 standen wir auf der Kippe. Teure Maschinen, auslaufende Finanzierungen.“ Die Schlingmanns sind Self-Made-Unternehmer, konnten nicht auf einen bestehenden Familienbetrieb zurückgreifen, sondern mussten von null anfangen. „Bei den Umwelttischlern gab es eine Erfahrungsgruppe, in der wir Austausch hatten. So haben wir unsere Richtung gefunden, eine eigene Philosophie entwickelt“, erzählt Christina Schlingmann.
Der CO2-Rechner
„Im Einklang mit der Natur“ ist das Motto der Umwelttischler, einer Initiative mit Unterstützung durch den hessischen Verband. Die selbst festgelegten Umweltkriterien lassen die beteiligten Betriebe von Sachverständigen prüfen. Und punkten natürlich beim Kunden mit ihrer Aussage, bei allen Produkten mindestens 25 Prozent unter den gesetzlichen Grenzwerten zu liegen. Keine einfache Aufgabe, wie Martin Schlingmann meint: „In Hessen sind wir nur 28 Betriebe. Mehr können das auch gar nicht.“ Mit dem CO2-Rechner haben die Schlingmanns ihr Bekenntnis zu einer umweltverträglichen Fertigung noch weiter getrieben. „Klimaneutrale Möbel von Ihrem Schreiner“ ist die Aussage. Dazu wird anhand einer komplexen Liste festgelegt, wie viel CO2 nicht nur bei Produktion, sondern auch bei Rohstoff, Transport und Verarbeitung freigesetzt wird. Der Kunde kann jetzt entscheiden, ob er mit einem geringen Preisaufschlag sein neues Möbel CO2-neutral stellen will. Denn mit dem Geld werden, in Zusammenarbeit mit hessen-Forst, neue Bäume gepflanzt.
Die Schlingmänner haben in Zusammenarbeit mit ihren Umwelttischlern nicht nur eine Philosophie und wertvollen Erfahrungsaustausch gefunden. Denn ihr Engagement und ihre Ausstrahlung teilt sich auch ihren Kunden mit, die sich gern auf die ungewöhnlichen Typen aus dem Odenwald einlassen.
