April 2011 - Holzstaub? Nein danke!
Der Tischler im Sakko
Was verbindet taumelnde Tastenkünstler mit prominenten Politikern und zufriedenen Kunden? Wie kommt es, dass sie von René Budries´ Werkstatt anscheinend magisch angezogen werden?
Würde es einen Wettbewerb für den saubersten holzverarbeitenden Betrieb geben – die Tischlerei Budries wäre ganz vorn dabei. Mal ganz ehrlich: So sieht es doch hier nur für den Fotografen aus, oder? Der Handwerksmeister aus Salzgitter schüttelt energisch den Kopf: „Ich lege großen Wert auf Organisation und Sauberkeit, das ist bei uns normal.“ Staub und Sägespäne sind bei Budries Mangelware, die Maschinen sehen aus, als wären sie in einem Verkaufsraum für Gebrauchtmaschinen ausgestellt.
Der Industrietischler
Nur der Spleen eines ordnungsbesessenen Chefs? „Eigentlich komme ich aus der Industrie“, stellt der Tischlermeister klar. „Dort habe ich wesentliche Verfahrensweisen einfach verinnerlicht – und auf meinen Betrieb übertragen.“ René Budries´ erste Karriere ließ ihn in acht Jahren die Erfolgsleiter vom Holzmechaniker zum Betriebsingenieur erklimmen. Arbeitgeber war der Eisenbahnbauer Linke, Hofmann, Busch, kurz LHB. „Ich war Meister in der Endmontage der ICEs. Dann habe ich meinen Betriebswirt im Handwerk gemacht.“ Doch mit der Übernahme des Traditionsbetriebes durch einen französischen Konzern verschlechterte sich das Betriebsklima schlagartig.
Der Feierabendtischler
Gut, dass der clevere Stratege ein zweites Ass im Ärmel hatte. „Ich hatte schon viel früher einen kleinen Handwerksbetrieb gegründet.“ Tagsüber Industrie, abends und am Wochenende Tischlerei. „In der Innung wurde ich anfangs als Feierabendtischler verspottet.“ Der Spott blieb den lieben Kollegen bald im Halse stecken, als Budries seine ganze Energie in den eigenen Betrieb steckte. „Meine Abfindung habe ich in einen Kantenanleimer und eine Plattensäge von Striebig investiert, und dann ging’s los.“ Mit drei Mitarbeitern begann Budries. Heute, fünf Jahre später, ist der Betrieb 19 Kollegen stark.
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