September 2009 - Der Reisende
Der smarte Netzwerker
Italienisch, Spanisch, Englisch und Deutsch sind für Andreas Mayr kein Problem. Warum der Schreiner mittlerweile auch erste Fachbegriffe in Schwyzerdütsch lernen musste.
Den Umgang mit anderen Handwerkssparten hat Mayr schon lange kultiviert. Dabei erwies sich sein „Wohlfühlhaus“ in Manching bei Ingolstadt als Volltreffer. Zusammen mit drei anderen Gewerken zeigt der Schreinermeister in einer „Handwerkskooperative“, was an modernem Innenausbau im Trend liegt (www.wfh-manching.de).
Nur eine Ausstellung? Nicht mit Mayr: „Wir nutzen das Wohlfühlhaus zum Vorzeigen. Und wir führen Kundenstreichelveranstaltungen durch.“ Zuletzt war die bayrisch-pfundige Marianne Sägebrecht als Künstlerin zu Gast. „In diesen Räumen wurde auch die Idee für das Holzforum Kirchheim geboren“, erzählt der Unternehmer stolz. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss von erfolgreichen Partnern der Holzbranche. Sie initiierten das Holzforum vor den Toren Münchens. In anspruchsvoller Umgebung können Partnerbetriebe ortsnah für Kunden aus der Landeshauptstadt Leistungen und Produkte präsentieren. Und dort erhielt Mayr letztendlich den Zuschlag für den Umbau eines Ferienappartements in St. Moritz, der ihm viel Renomee einbringen sollte.
Netzwerk gewinnt
Denn mit diesem Projekt gewann die Schreinerei den bundesweiten Wettbewerb „Entspannt modernisieren“. Die Jury lobte bei der Preisverleihung auf dem Tischlertag in Berlin nicht nur die durchgängige Formensprache und klare Linienführung, prämiert wurde neben der handwerklichen und gestalterischen Qualität vor allem die reibungslose Koordinierung aller Gewerke vor Ort in der Schweiz. Das ist die große Stärke von Mayr. Denn der umtriebige Unternehmer hat ein exzellentes länderübergreifendes Netzwerk und pflegt professionell hunderte von Kontakten.
28 Mitarbeiter beschäftigt der Betrieb in Manching. Die sind es gewohnt, sehr selbstständig zu arbeiten, denn Mayr geht auch in Sachen Unternehmensführung ungewöhnliche Wege. „Meine Mitarbeiter wissen nicht über meine Termine Bescheid. Wenn etwas wichtig ist, erreichen Sie mich auf dem Handy oder per E-Mail.“ Arbeitszeitkonten helfen, die wechselnden Auftragslagen besser bewältigen zu können. Und regelmäßige Meetings aller Mitarbeiter sorgen für Austausch und Problembewältigung. Wie eingeschworen das Team ist, zeigt nicht zuletzt die gemeinsame Patenschaft für ein kleines Mädchen in Nicaragua.
Zwei Jahre voraus
Gern überrascht der pfiffige Unternehmer seine Mitarbeiter mit neuen Ideen: „Ich lebe zwei Jahre in der Zukunft. Das wissen die Kollegen.“ Wie er das meint? „Schauen Sie auf meine Homepage. Als wir die zweisprachig bauten, haben alle den Kopf geschüttelt. Und heute sind wir froh drüber.“ Der jugendlich wirkende 41-jährige Chef ist überzeugt, dass sich seine Arbeit im Ausland auch am Einsatzort herumsprechen wird. Folgeaufträge sind ausdrücklich erwünscht. Aufgaben im Ausland sind für den erfolgreichen Schreiner schon jetzt nicht ungewöhnlich. Rumänien, Luxemburg, Italien und das spanische Festland sowie die Balearen – Mayr und seine Kollegen sind es gewohnt, das Werkzeug auch einmal für längere Anfahrten einzupacken. Klar, dass es dabei nicht um Arbeit für eine normale Bautischlerei geht.
Perfektion für Audi
Schon Vater Ludwig hat die Weichen des Manchinger Betriebes konsequent in Richtung Möbel- und Innenausbau gestellt. Der Generationenwechsel verlief allerdings ganz anders, als sich Vater und Sohn dies vorgestellt hatten. Mayr Senior verstarb unerwartet früh, Sohn Andreas musste ins kalte Wasser springen und wurde vom Gesellen direkt zum Firmenlenker. Kein einfacher Schritt, wie Mayr heute erzählt: „Zahlreiche Kunden waren abgesprungen, denn die Krankheit meines Vaters hatte auch im Betrieb ihre Spuren hinterlassen.“
Schritt für Schritt mussten sich der Jungunternehmer und sein Team das Vertrauen der Kunden wieder zurückerobern. Handwerkliches Können und die offene Art des sympathischen Manchingers brachten die Schreinerei wieder auf Kurs: „Dabei haben wir auch Kleinaufträge und Reparaturen ausgeführt, die andere nicht wollten.“ Den Durchbruch erreichte Mayr mit einem Generalauftrag für Audi in Ingolstadt. Hier zunächst nur für Reparaturen zuständig, wurden die Aufträge des Autobauers allmählich immer größer. Die Qualität der Schreinerei sprach sich bis in die Chefetage herum.
Ein Herz für den Sport
Mittlerweile hat Mayr diverse prestigeträchtige Innenausbauten beim Ingolstädter Premiumhersteller realisiert, ob in Vorstandsbüros, Konferenzzentren oder im Audi-Museum. Die Philosophie der beiden Unternehmen passt trotz unterschiedlicher Größe anscheinend gut zueinander: „Ich bin Perfektionist, für mich gibt es keine halben Sachen.“ Heute betreut er weitere Großkunden wie EADS, E.on oder Zeppelin und Siemens. Marathonläufer und Surflehrer war Mayr selber. Mittlerweile ist er Sponsor der lokalen Erstliga-Eishockey- und Zweitliga-Fußballmannschaft. Der Oberbayer grinst verschmitzt: „Man muss nicht immer nur auf dem Golfplatz sein, um interessante Kunden und Kontakte aufzutun.“ Wobei man dem sportlichen Mayr durchaus abnimmt, dass er mit seinem Engagement nicht nur neue Kundenkontakte im Kopf hat. Denn bei all der intensiven Netzwerkerei, all den innovativen Marketing-Ideen und gewonnener Preise garantiert vor allem eines den weiteren Erfolg der Manchinger Schreinerei: die Authentizität von Andreas Mayr.
„Entspannt modernisieren“
Tischler und Schreiner sollen zentraler Ansprechpartner sein, wenn sie mit Kollegen anderer Gewerke gemeinsam Modernisierungsaufträge abwickeln. Das Ziel hat sich die 2005 ins Leben gerufene Qualitätsgemeinschaft „Entspannt modernisieren“ gesetzt. Die Initiatoren sind der Holzwerkstoffhersteller Egger, die Versicherungsgruppe Signal Iduna, die Fachverbände des Tischlerhandwerks Niedersachsen/Bremen und Nordrhein-Westfalen sowie der Fachverband Schreinerhandwerk Bayern. Den Wettbewerb „Entspannt modernisieren“, den Andreas Mayr gewonnen hat, haben die Partner zum ersten Mal länderübergreifend durchgeführt.
