September 2011 - Ein Ideenschmied rund um den Schrank
Der Schrank-Butler
Schreiner Philipp ist ein Handwerker mit wortwörtlich herausragenden Produkten. Sein bekanntestes Schätzchen ist nämlich ein Schrank, bei dem ihm das Innenleben komplett entgegenkommt.
Manfred Philipp ist ein konsequenter Mann. Dem Unternehmer aus dem oberpfälzischen Neusorg war es nicht genug, seinen zuvor auf Fenster und Türen spezialisierten Betrieb um die Sparte Inneneinrichtung zu erweitern. Obwohl allein dies schon ein Kraftakt war: „Ich musste ja komplett neue Maschinen anschaffen.“ Der 54-Jährige war auf der Suche nach Alleinstellungsmerkmalen. Und der Zufall führte ihn zusammen mit einem echten Poeten und Erfinder aus dem Nachbarort.
Niemals Schreiner
Ursprünglich wollte Philipp etwas ganz anderes machen. Der Sohn eines Schreiners hatte eigentlich die Nase voll vom Handwerk. Das Beispiel der Eltern, die der Sohn fast nur in der Werkstatt kannte, diente ihm als Warnung. So zog es den Oberpfälzer zunächst zum Bundesgrenzschutz. Doch das Schreinern ließ ihn nicht los. Wieder im heimischen Betrieb, kam ihm der Zufall zuhilfe. Die Grenzöffnung erwies sich zunächst als Segen. „Damals waren wir 20 Leute, haben im Jahr 2200 Fenstereinheiten hergestellt und eingebaut.“
Doch die Umstellung auf Wasserlack und damit verbundene Probleme läuteten den Siegeszug der Kunststofffenster ein. Philipp, mittlerweile Firmeninhaber, setzte auf Qualität statt Billigware: „Wir haben uns nach DIN ISO 9001:2008 zertifizieren lassen, bieten heute fünf Fenstersysteme in Holz und Holz-Alu an.“ Die richtige Waffe gegen den Preiskampf auf dem Fenstermarkt.
Der Dichter und der Schreiner
Der Zufall half dem Schreinermeister in zweiter Generation. Im Nachbarort lebt der Dichter und Erfinder Johann Spörrer. Bei einem Besuch traf Philipp auf den Prototypen eines ungewöhnlichen Schranks. Der obere Teil war so konstruiert, dass er sich auf Knopfdruck nach vorne verschob und dann nach unten fuhr. Spörrer hatte den Schrank entwickelt, um Kleinwüchsigen und Rollstuhlfahrern den Zugang zu raumhohen Inneneinbauten zu ermöglichen. Heute schmunzelt Philipp, wenn er an den Prototypen denkt: „Das war wirklich noch pure Bastelarbeit. Spörrer selbst sprach von einer unprofessionellen Kiste. Den Antrieb etwa erledigte ein Scheibenwischermotor.“
40 000 Bewegungen musste der Beschlag aushalten. Eine aufregende Testphase! >>
