08.10.2010
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Innovative Materialien

Das Tuch der Könige

Bark Cloth - Das älteste Textil der Menschheit ist nicht nur für Schneider und Geschichtsforscher interessant. Es ist auch ein faszinierender Werkstoff für Tischler und Schreiner.

von Lutz Odewald

 - Foto: Bark Cloth
Foto: Bark Cloth

Dem Mutuba-Feigenbaum in Uganda geht es einmal im Jahr an den Kragen. Denn der Blattträger muss seine Rinde lassen. Jedenfalls, wenn aus seiner Haut ein ganz spezielles Bastvlies hergestellt werden soll. Aus dem Material wird das „Bark Cloth“, das Tuch der Könige, gemacht. Die Technik ist schon seit rund 10 000 Jahren bekannt, in früheren Zeiten war das Tragen des urzeitlichen Stoffes allein den Königen vorbehalten.

Freiburger entdeckt das Tuch der Könige neu
Der Freiburger Oliver Heintze ist nicht nur mit einer ugandischen Frau verheiratet. Der Süddeutsche entdeckte bei einem Besuch auch die Möglichkeiten, die das fast in Vergessenheit geratene Gewebe bietet. Und schaffte so etwas wie eine kleine Kultur-Revolution rückwärts: Er machte die wenigen Alten ausfindig, die noch wussten, was mit der Rinde gemacht werden kann und schaffte es, dass sie ihr Wissen weitergaben. Heute ernten zahlreiche Familien das Bastvlies wieder im traditionellen Stil.
Auch Harald Thoma, Geschäftsführer der FurnierHandel GmbH, erkannte rasch die vielfältigen Möglichkeiten von Bark Cloth und gründete Ende 2009 zusammen mit Klaus Rebholz die „Bark Cloth Trade by Furnierhandel GmbH“. Klaus Rebholz leitet den Vertrieb des exotischen Textils mit Tischlereignung.
Dem gemeinschaftlichen Vertrieb mit Oliver Heintz ist der nachhaltige Anbau und die ökologische Bilanz wichtig. Übrigens: Die althergebrachte Herstellung von Bark Cloth wurde 2005 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Wie das Tuch zum Werkstoff wird
Doch wie wird aus einem Bastvlies ein Material für Tischler und Schreiner? Hannes Schmidt, Chef der „Schreinerei Galerie Meister HS“ aus Ehrenkirchen, ist einer der Pioniere in Sachen Verarbeitung. Und hatte mit exotischen Problemen zu kämpfen: „Am Anfang brachte Herr Heintz die Tücher in Säcken vorbei und breitete alles aus.“ Nicht unbedingt üblich, wenn man einem Tischler oder Schreiner neue Materialien vorstellen will. Der Funke sprang trotzdem über. Nach zahlreichen Versuchen mit Leimen und Klebern fand Schmidt schließlich passende Produkte, um das Vlies optimal zu verar­beiten. Heute ist es „ein begeisterndes Produkt für meine Kunden“, wie der Schreiner erzählt. In seinem Betrieb entstehen ­etwa Schranktüren in Kombination mit Bambus. Schubladenfronten und auch ganze Möbel hat Schmidt mit dem Tuch der Könige schon eingehüllt.

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