Innenausbau
Das Clubschiff "Aidablu" ist in See gestochen
Warum das Team von Innenausbauer Hermann Deeken bis zur letzten Minute im Einsatz war, erfahren Sie hier.
Zwischen gepolsterten Barhockern und vergoldeten Geländern machen sich Arbeiter in Blaumännern zu schaffen. Aus Lautsprechern plätschern seichte Melodien, unterbrochen von Pieptönen und geschäftigen Ansagen. In den Duft nach frisch gebrautem Bier aus der bordeigenen Brauerei mischt sich eine leichte Lösungsmittelnote.
Hermann Deeken steht im luxuriösen Theatrium, dem zentralen Treffpunkt der 252 Meter langen Aidablu, den er mit seiner Firma Reuter Innenausbau aus dem ostfriesischen Esens ausgebaut hat. Allein 700 Quadratmeter Blattgold hat sein Team während der Fertigung auf der Meyer Werft in Papenburg auf den drei Decks der weiträumigen Veranstaltungsarena verarbeitet. Eine in Orange und Lila gehaltene Bar lädt zum Platznehmen ein. Schade, dass man hier noch keinen Caipirinha oder Mai Tai bestellen kann. Zum Teil verdecken Planen rot durchleutete rund geschwungene Tresen. Und an den kapselartigen Schaltern des bordeigenen Reisebüros werden bis zu 2000 Urlauber später Ausflüge an Land buchen. In der Mitte all dieser Bereiche eine versenkbare Bühne.
Der Blick des Unternehmers fällt über die Brüstung auf eine Gruppe Tänzer. Energische Tanzrhythmen verdrängen die Hintergrundmusik. Anweisungen eines Trainers schallen herauf. Die Gruppe probt für die Jungfernfahrt des Clubschiffes: „Was die vorführen, hat wirklich Qualität“, betont der Tischlermeister und Innenarchitekt.
Jetzt schaut Deeken bei seinen Mitarbeitern im gold und orange gestalteten Kasino vorbei. Auf einer Trittleiter stehend, schraubt Heiko Janssen gerade an der Decke herum: „Die Überwachungskameras mussten versetzt werden, da passten die Dekolamellen nicht mehr“, verrät der Montageleiter.
Was schätzt Chef Deeken an seinen Mitarbeitern? „Sie tragen Verantwortung und identifizieren sich mit dem Schiff. In ihren Büros in Esens hängen sogar Bilder davon“, sagt der 62-Jährige in seiner unaufgeregt-freundlichen Art. Qualifiziertes Personal für den Schiffsinnenausbau finde man nicht so leicht. „Unseren Nachwuchs bilden wir deshalb selber aus.“
Auf der Aidablu zeichnet das Team von Reuter Innenausbau neben dem Theatrium mit rustikaler Destille und 4-D-Kino auch für die noble Anytime-Diskothek verantwortlich. Präzise orientiert findet Deeken über verwinkelte Gänge und zahlreiche Treppen dorthin. Die marmorierten säulenartigen Tische leuchten weiß. Noch rascheln hier die Planen unter den Arbeitsschuhen, aber an den Wänden machen lebensechte Figuren schon Lust aufs Tanzen.
Damit nicht genug: Eine weitere Firma des Unternehmers, nämlich Deeken Möbel in Sögel, hat eine Diskothek, eine Bar und eine Sauna extra für die Crew eingerichtet. Zudem 23 brombeerfarben und grün gehaltene Luxussuiten. Mit einem großen Staubsauger reinigen Mitarbeiter eine Suite nach der anderen. Danach werden sie verschlossen. Denn die Handwerker sind hier fertig.
Was unterscheidet den Schiffsinnenausbau vom Hotelausbau? „Keine Wand ist gerade. Man kann also nicht mit der Wasserwaage arbeiten.“ Die Fachleute suchen deshalb mit Lasern Bezugspunkte, an denen sie sich orientieren. Außerdem muss Deeken als Subunternehmer der Meyer Werft alle Termine penibel einhalten. Denn nur dann kann das Schiff zum geplanten Termin auslaufen.
Mit ruhiger Hand wickelt Deeken viele Großprojekte ab. Die Aidablu ist schon das vierte Clubschiff der Aida-Reihe, in dem er mehrere Tausend Quadratmeter ausgebaut hat. Aber auch in namhaften Gebäuden wie dem Reichstag, dem Bundeskanzleramt, dem Wirtschaftsministerium und dem Adlon-Hotel in Berlin hat der Innenausbauer gewirkt.
Dabei wollte der ehemalige Manager in der Möbelindustrie sich vor 13 Jahren schon zur Ruhe setzen. Deeken lehnt an einem Tresen im Theatrium. „Aber das konnte ich dann doch nicht.“ Er zuckt mit den Achseln und schmunzelt. Also habe er 1998 die Firma Reuter Innenausbau gekauft, die sich bereits seit 35 Jahren dem Schiffsinnenausbau widmet und seither jedes Jahr ein Kreuzfahrtschiff ausgebaut hat. Heute hat Reuter 105 Mitarbeiter, rund 40 davon sind während des zwölfmonatigen Schiffsinnenausbaus ständig an Bord.
Im vergangenen Jahr ist Deeken zum ersten Mal selbst auf Kreuzfahrt gegangen, in die Karibik, mit seiner Frau. Deeken lächelt bei der Erinnerung daran. „Das wollten wir unbedingt einmal erleben.“ Dabei habe er Revue passieren lassen, wie die einzelnen Bereiche entstanden sind. „Das ist wirklich ein gutes Gefühl“, sagt Deeken nicht ohne Stolz.
